Die Häuser von Ohlendorf

RSSDie Häuser von Ohlendorf Die Häuser von OhlendorfCover: Die Häuser von Ohlendorf

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Gleich am Eingange des Dorfes hinter der Brücke zur linken Hand liegt, von vier schönen alten Linden halb verdeckt, ein großes, rotes, strohgedecktes Haus, der neue Krug genannt. Es ist schon fast ein Mandel Jahre her, daß dort Schankwirtschaft betrieben wurde, aber das Haus heißt heutigentags noch der neue Krug. Es ist jetzt Eigentum des Tischlers Bünger. Als der vorvorige Besitzer der Wirtschaft, der Krüger Tormann, und seine Mutter, Frau, Sohn und zwei Töchter hintereinander am Typhus wegstarben und weitläufige Verwandte das ganze Wesen erbten, kaufte ein Mann aus der Dannenberger Gegend namens Peter Lemke das Haus und den Garten mit etwas Land. Es war ein freundlicher Mann, und so, wie er, war auch seine hübsche, dicke Frau. Das Ehepaar führte das Geschäft in der alten Weise weiter, hielt sich vorsichtig zurück, bis zwischen ihm und den Bauern von selber ein freundschaftliches Verhältnis herauskam, und in fünf Jahren war es, als wenn Lemkes zu dem alten Stamme gehört hätten. Die Bauern waren mit ihrem neuen Krüger zufrieden, zumal es im Blauen Schimmel von Tag zu Tag ungemütlicher wurde. Ein vernünftiges Glas Bier gab es bei Schimmelberg nicht, immer nur Flaschenbier nach der alten Weise, der Schnaps war meist warm, und die Zigarren scheußlich. Ludjen Schimmelberg ließ es seine Gäste zu sehr merken, daß er die Schankwirtschaft nur betrieb, weil er sie erheiratet hatte, und daß ihm an seiner Ackerwirtschaft allein etwas lag; und seine Frauensleut hatten mit dem Vieh mehr als genug zu tun, so daß sie sich um die Gäste auch nicht viel kümmerten. Der neue Krüger kam langsam, aber sicher vorwärts. Er paßte scharf auf, und sah er, daß sich etwas für seine Wirtschaft oder sein Geschäft lohnte, so nahm er es an. Vorsichtig gewann er den Lehrer für die Gründung eines Gesangvereins; das gab einen Abend im Monat eine volle Gaststube mehr. Er steckte sich hinter den Schmied, der für alles zu haben war, was ihn vom Blasebalg abzog, und der brachte einen Kriegerverein zusammen. Das brachte wieder einen Abend im Monat eine volle Gaststube. Er stellte ein Musikinstrument auf, damit sich das junge Volk Sonntags die neuesten Walzer vorspielen lassen konnte, und schließlich baute er sogar einen Saal. Da er nach Wendenart in allem langsam und bedächtig vorging, stieß er niemand vor den Kopf. Um zehn Uhr war in der Woche für die Einheimischen Feierabend; darauf hielt er strenge; die Jäger und andere Fremde durften bis elf Uhr aufsitzen. Wenn Kordes, der Schmied, seinen tollen Tag hatte, oder wenn der wilde Meyer aus Krusenhagen vorfuhr und mit dem Gelde um sich warf, so sorgte er dafür, daß es kein Ärgernis gab. Er behandelte alle Leute vom Landrat und Pastor bis zum Häusling und Knecht gleich freundlich, wußte aber, durch kleine Abstufungen in seinem Benehmen das richtige Maß zu halten; denn er war früher herrschaftlicher Diener gewesen. Waren gab er an sichere Leute auf Borg. Getränke an niemand. Er protzte nie, aber wenn es darauf ankam, knauserte er auch nicht.1,00 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM