Der Weg aus der Krise

Das indikatororientierte Frühaufklärungssystem zur Krisenprävention im Unternehmen

RSSDer Weg aus der Krise Der Weg aus der KriseCover: Der Weg aus der Krise

Deutsch73 SeitenErschienen: 2010Edition: 1

Die Gefahr der Insolvenz ist allgegenwärtig. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten fragen sich Unternehmer, wie dieses "Schreckensgespenst" frühzeitig erkannt und abgewendet werden kann. Zudem hat der Gesetzgeber die Unternehmen verpflichtet, ein Überwachungssystem einzurichten, das Entwicklungen, welche den Fortbestand einer Firma gefährden, frühzeitig zu erkennen vermag. Wie lassen sich Veränderungen der Umwelteinflüsse rechtzeitig erkennen? Wie können wichtige Informationen systematisch ausgewertet werden? Zur Beantwortung dieser Fragen zeigt dieses Buch die Leistungsfähigkeit aber auch die Schwachstellen verschiedener Frühaufklärungssysteme auf und liefert Anregungen zur Implementierung indikatororientierter Frühaufklärungssysteme.ISBN: 978-3-8366-3578-3Verlag: Diplomica Verlag GmbHTags: FrühaufklärungssystemFrühaufklärungsindikator KrisenpräventionUnternehmenInsolvenz13,00 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

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  • [b]Kapitel 3.3.2, Bestimmung von Indikatoren:[/b] [color=#ff0000]Zu jedem Beobachtungsbereich sind entsprechende[/color] Frühaufklärungsindikatoren zu entwickeln, die in der Lage sind, möglichst flächendeckend Entwicklungen über eventuelle Gefahren oder Chancen anzuzeigen. Sie gelten als das Zentrum eines indikatororientierten Frühaufklärungssystem und gleichzeitig als der schwierigste Teil im Aufbau eines solchen Frühaufklärungssystems. Durch Indikatoren wird versucht, möglichst nahe an die direkten Anzeiger von Abweichungsursachen heranzukommen. Dazu bedient man sich der Entwicklung von Kausalketten und der Vernetzung von Indikatoren untereinander. Die Gefahr bei der Anwendung von Kausalketten besteht darin, dass diese ‘ein statisches Strukturdenken fördern, das von klaren Regeln, Werten und Normen ausgeht und zu stark vereinfachende Gesetzmäßigkeiten unterstellt’. Neben dieser theoretisch geprägten Suche nach Indikatoren, besteht auch die Möglichkeit der intuitiven Vorgehensweise, die durch Erfahrungen des Managements geprägt ist. Um eine umfassende Suche nach Indikatoren zu erreichen und dem statischen Strukturdenken entgegenzuwirken, bieten sich Kreativitätstechniken wie die Morphologie an. Die Indikatoren sind wie die Beobachtungsbereiche im Hinblick auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen, da sie in ihrer Zweckeignung allgemeinen Wandlungstendenzen unterliegen. Da die Auswahl geeigneter Indikatoren für ein indikatororientiertes Frühaufklärungssystem entscheidend ist, wird an späterer Stelle detailliert auf den Indikatoraspekt eingegangen. Festlegung von Sollgrößen und Toleranzgrenzen Nachdem die Beobachtungsbereiche und die Indikatoren festgelegt sind, müssen jetzt dem System Vorgaben gemacht werden, wann es Alarmsignale aussenden soll. Ohne eine Eingrenzung würde der Nutzer mit einer nicht zu beherrschenden Informationsflut überschwemmt, sodass die relevanten Informationen, die Aufschluss über Chancen und Gefahren geben, untergehen würden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie quantitativer oder qualitativer Natur sind. Erste Schwierigkeiten treten bei der Bestimmung von Sollgrößen auf. Sie sollen eine Normalsituation repräsentieren, doch ist das, was unternehmensspezifisch als ‘normal’ angesehen wird, häufig nicht exakt quantifizierbar, da es sehr subjektiv und einzelfallbezogen ist. KRYSTEK/MÜLLER-STEWENS schlagen vor, die Normalsituation als ein ‘Fließgleichgewicht’ zu beschreiben. So sind die vorhersehbaren Chancen und Bedrohungen ungefähr ausgeglichen. Die Normalsituation wird durch Faktoren beschrieben, die sich innerhalb tolerabler Bandbreiten bewegen. Die Chancen bzw. Gefahren kommen in Alarmsituationen zu Ausdruck, durch die die Normalsituation begrenzt wird. Der Übergang ist allerdings durch eine Grauzone gekennzeichnet, was für die Frühaufklärung von Bedeutung ist. Nachdem das Problem von Normwerten/Sollwerten erläutert wurde, werden jetzt Möglichkeiten aufgezeigt, um Normwerte zu bestimmen. Denkbar ist hier eine Analyse der bisherigen Entwicklung des Indikators und eine Prognose über den weiteren Verlauf, sowie die Beurteilung der Relevanz der Ausprägung auf die Unternehmensstrategie. Bei der vergangenheitsbezogenen Entwicklung des Indikators ist zu ermitteln, ob bei Überschreitung bzw. Unterschreitung bestimmter Werte sich Situationen als Bedrohung oder Chance entpuppten. Die Informationen für eine Zukunftsprognose des Indikators oder eines Gleichgewichtszustands, der eine ausgewogene Chancen- und Gefahrenverteilung annimmt, sind aus bereichs- oder gesamtunternehmungsbezogenen Planungen zu gewinnen. Allerdings besteht wie bei allen Prognosen die Gefahr, dass sich die Sollwerte ex post als falsch herausstellen. Um diese Gefahr möglichst gering zu halten, bietet es sich an, die Sollwertbestimmungen in möglichst kurzen Zeitintervallen zu überprüfen und ggf. zu korrigieren. GEIßLER stellt zur Festlegung der Sollwerte folgendes Vorgehen vor: Abfrage von Erfahrungswerten, Zeitstudien, Nutzung vergangenheitsbezogener Daten (z.B. Rechnungswesen), Auswertung amtlicher Statistiken, Auswertung publizierter Werte und die Entwicklung und den Ausbau einer Betriebsstatistik. Zudem hat sich die Festlegung der Normwerte an realistischen Unternehmenszielen zu orientieren, da sonst die Analyse der aufgezeigten Risiken keinen Sinn ergibt. Das betriebliche Geschehen ist ein Prozess und somit treten Veränderungen auf, die von den Normwerten abweichen, aber dennoch nicht Anzeiger für eine besondere Chance oder Gefahr sind. Somit besteht die Notwendigkeit Toleranzgrenzen zu installieren. Innerhalb dieser Toleranzgrenzen erzeugen Schwankungen des Sollwerts keinen Handlungsbedarf. Erst außerhalb dieses Toleranzintervalls wird eine Chance bzw. Gefahr vermutet und es werden weitere Schritte eingeleitet. Bei der Bestimmung des Toleranzbereichs lassen sich verschiedene Probleme konkretisieren: - Größe des Toleranzintervalls. - Wahl einer Skala. - Zeitpunkt der Alarmierung. Die Größe des Toleranzintervalls hängt von dem Risikobewusstsein der Unternehmensführung ab. Je geringer die Risikobereitschaft ist, desto geringer ist auch der Abstand zwischen Sollwert und Toleranzgrenze zu wählen. Das begründet allerdings einen höheren Informationsverarbeitungsaufwand, da das System vermehrt Alarmmeldungen aussendet. Im schlimmsten Fall kann dadurch der Zusammenbruch des Frühaufklärungssystems provoziert werden. Eine verfeinerte Ausgestaltung des Toleranzbereichs lässt sich z.B. erreichen, indem zusätzlich zwischen einem Warnbereich und einem überlebenskritischen Bereich differenziert wird. Dadurch wird ermöglicht, die vom System ausgestrahlten Informationen zu gewichten und entsprechend ihrer Priorität beurteilen zu können, um so die erforderlichen Gegenmaßnahmen in der nötigen Dosierung zu veranlassen. Der Wert eines Indikators lässt sich exakt in einer Kardinalskala anzeigen, z.B. in Mengeneinheiten. Das gilt aber nur für quantifizierbare Indikatoren. Sobald qualitative Indikatoren verwendet werden, sind Ordinal- oder Nominalskalen erforderlich. DREXEL bietet hierfür ein Empfindlichkeitsspektrum an, das eine Abstufung nach Prioritätsbereichen vornimmt. Bei der Frage des Zeitpunktes der Alarmierung geht es darum, ob bei einmaliger Verletzung der Toleranzgrenze Alarm ausgelöst werden soll, oder erst wenn eine ‘signifikant’ abweichende Gesamtentwicklung festgestellt werden kann. KRYSTEK/MÜLLER-STEWENS halten eine einmalige Verletzung der Toleranzgrenze von erheblichem Ausmaß und ohne direkt erkennbare Ursache für ausreichend, da sie Vorreiter einer bestimmten Entwicklung sein könnten. Auch nach Meinung des Verfassers ist hier aus sachlogischen Gründen eine Alarmierung bei einmaliger Überschreitung angebracht, da schon die Festlegung des Warnbereichs anormale Situationen widerspiegeln soll und somit eine Verletzung des Warnbereichs eine entsprechende Analyse rechtfertigt.