Krisenmanagement in touristischen Einheiten

Auswirkungen negativer Umwelteinflüsse und Entwicklungschancen der Tourismuswirtschaft in betroffenen Gebieten

RSSKrisenmanagement in touristischen Einheiten Krisenmanagement in touristischen EinheitenCover: Krisenmanagement in touristischen Einheiten

Deutsch291 SeitenErschienen: 2007

"Tourismus, Natur und Technik stehen in enger Beziehung zueinander. Natur nimmt eine zentrale Rolle in der Vermarktung eines touristischen Produkts ein. Erhöhter Platzbedarf, Erschließung neuer Siedlungsräume, technische Hilfen, der (Aus-)bau touristischer Leistungen, etc. kann auch Risiken mit sich bringen. Die vorliegende Diplomarbeit behandelt die strategische Problematik des Managements von Destinationen in Krisensituationen, hervorgerufen durch Naturkatastrophen oder Katastrophen verursacht durch technisches Gebrechen. Diese Arbeit geht der Fragestellung nach, inwieweit derartige negative Ereignisse ein touristisches System beeinflussen. Weiters werden Präventivmaßnahmen vorgestellt um negativen sozialen und ökonomischen Auswirkungen entgegenzuwirken. Die Forschungsarbeit beinhaltet eine kritische Evaluierung der Krisensituation mit besonderem Fokus auf präventive Maßnahmenplanung um Verluste im ökonomischen Sinne bzw. im Sinne der Imageverkörperung einer touristischen Einheit (Destination) zu verringern. Lösungen hinsichtlich einer Ergebnisoptimierung im Falle eines eintretenden negativen Ereignisses werden erarbeitet und in Folge werden entsprechende Empfehlung im Bereich der Krisenprophylaxe abgegeben. Nicht Thema dieser Arbeit sind Fragestellungen hinsichtlich rechtlicher Belange. Die Fragestellung wird unter Anwendung einer Bedarfsforschung erfasst und analysiert. Die Studie ist im Wesentlichen in 3 Abschnitte gegliedert. Diese Gliederung gestaltet sich in einen theoretischen Teil (I), in dem durch Sekundärforschung relevante theoretische Grundkenntnisse aus der Literatur erhoben werden sollen. Der zweite Teil dieser Arbeit beinhaltet den empirischen Teil (II) welcher die Analyse der Fallbeispiele (Lawinenkatastrophe im Februar 1999 in Galtür und Tunnelunglück in Kaprun 2002) umfasst und schließlich die Schlussbetrachtung - Conclusio (III) in welcher die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zur Beantwortung der forschungsleitenden Fragen zusammengeführt werden sowie einer Empfehlung zur weiterführenden Forschung. Eine Analyse der Fallbeispiele wird mittels der vorhandenen Literatur vollzogen und mit den Aufzeichnungen aus den Ergebnissen der teilstrukturierten Experteninterviews ergänzt. In der Behandlung der Thematik fokussiert das Fallbeispiel von Galtür im Besonderen auf das Handeln der Krisenakteure im Bereich von Hilfsmaßnahmen, die akute Krisenphase vor Ort, den Rettungseinsatz und notfallpsychologische Soforthilfe, wobei dafür ein im ersten Teil der Arbeit nicht abgehandelter Exkurs angeführt wird. Anschließend werden die unmittelbaren Auswirkungen auf den Tourismus, Lehren aus der Krise anhand der wahrgenommenen Veränderungen in der Infrastruktur sowie die strategische Positionierung des touristischen Produktes analysiert. Das zweite Fallbeispiel konzentriert sich neben den beobachtbaren Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft, insbesondere auf den Umgang mit den Angehörigen und auf die Presse- und Medienarbeit des betroffenen Unternehmens. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auswertung der strategischen Marketingmaßnahmen. Im Anhang der vorliegenden Arbeit befinden sich ergänzend Tabellen und Hintergrundinformationen sowie eine Leitfadenabschrift der durchgeführten Experteninterviews."ISBN: 978-3-8366-0261-7Verlag: Diplomica Verlag GmbHTags: TourismusindustrieKrisenmanagementTourismusRisikomanagementPublic RelationsKrisenprophylaxe58,00 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

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  • "Kapitel 8.6.3, Auswirkungen auf den Tourismus: Wintertourismus ist von der Wertschöpfung her gesehen nicht nur für Galtür und das gesamte Paznauntal sondern auch gesamtösterreichisch attraktiver einzustufen als Sommertourismus, was auch anhand der durchschnittlichen Tagesausgaben eines Wintergastes verglichen mit jenen eines Sommergastes belegt werden kann. Allgemein darf angenommen werden, dass der wirtschaftliche Erfolg des einzelnen Unternehmens dahingehend abhängt, dass es ihm gelingt die Betriebsleistungen und die Investitionen über die Kapazitätsauslastung zu amortisieren und wirtschaftlich einzusetzen. Dabei ist jeder Tag mit Vollauslastung von entscheidender Bedeutung. Dies gilt auch im Umgang mit Marktanalysen und der damit einhergehenden Entwicklung von Nächtigungsstatistiken in einer Destination, welche den Investitionswillen potentieller Geldgeber und somit der Erweiterung des Angebotes, der Infrastruktur, den gesetzlichen, steuerlichen Abgaben für die Destination und deren wirtschaftliches (Entwicklungs-) Potential, etc. beeinflussen. Um die Chancen auf Kapazitätsauslastung so lange wie möglich zu gewähren ist der Druck der Anbieter auf Tourismusverband und Gemeinde so groß, dass keine voreiligen Entscheidungen über Straßensperren oder Evakuierungsmaßnahmen gefällt werden dürfen, was im Falle von Galtür offensichtlich ein großes Unglück ausgelöst hat und das Vertrauen in die Destination nachhaltig jedenfalls mittelfristig beeinflusst hat. In Galtür selbst waren die wirtschaftlichen Schäden ernorm, fiel nach dem Unglück praktisch die Haupteinnahmequelle aus. Fast alle Touristen hatten das Dorf verlassen und in den restlichen Tagen der Wintersaison 1998/99 kamen nur mehr wenige nach Galtür. Als unmittelbare Reaktion darauf mussten viele Betriebe den Betrieb einstellen und den Mitarbeiter wurden Weiterbildungsprogramme angeboten. Jedoch wurde in der Karwoche ein Zeichen der Solidarität gesetzt: Galtür war ausgebucht. Deutlich erkennbar ist der Einbruch der touristischen Nachfrage anhand der Gästestatistik für Galtür. Die Ergebnisse dieser Analyse kommen zum Schluss, dass sowohl die Nächtigungen im Sommerhalbjahr und im Winterhalbjahr im Jahr der Lawinenkatastrophe und insbesondere im Folgejahr deutlich erkennbar sind. Weiters kommt erschwerend der Mangel an Tagestouristen hinzu. Die Geschäftszahlen von 2005 können wieder verbesserte Werte aufweisen, jedoch kann im Sommerhalbjahr 2005 der Rückgang an Gästenächtigungen aufgrund der Hochwassersituation gut nachgewiesen werden. Einhergehend mit dem wirtschaftlichen Schaden durch die Umsatzeinbußen hat die Investitionsbereitschaft in Projekte mittelfristig als Folgeerscheinung der Naturkatastrophe der Gemeinde auch zugesetzt. Interessant ist die Tatsache, dass jedoch keine Mitarbeiter in den touristischen Betrieben entlassen wurden und auch das Bettenangebot der Gemeinde nicht stagnierte. Das negative Ereignis hat sich langfristig weder im Wirkungsbereich auf den Gästemix oder auf die Preispolitik der Gemeinde ausgewirkt. Es gab keine Sonderangebote wie auch der damalige Tourismusdirektor Walter bestätigt: „In der Preispolitik haben wir nichts geändert, wir haben zwar überlegt, aber es hat dann keine Argumentation dafür gegeben.“ Zur Verdeutlichung der Investitionstätigkeit in der Gemeinde, die touristischen Ausfälle und weiterer touristischer Marktdaten befindet sich eine Sammlung an Tabellen im Anhang. 8.6.4. Nach der Krise – Erkenntnisse und Lehren: Dieser Abschnitt soll Erkenntnisse über die Phase der Krisenbewältigung bringen, welche zusammen mit der Literatur und den vom Autor erhobenen Experteninterviews erfasst werden soll. Der Gefahrenzonenplan für die Ortschaft wurde erst kurz vor dem Unglück neu genehmigt und die Ausläufer beider Lawinen (Galtür und Valzur) ragten weit über die rote und gelbe Zoneneinteilung im Gefahrenplan. Unter diesen Gesichtspunkten sowie der Schäden liegt die Vermutung nahe, dass die in Computermodellen errechneten Werte deutlich übertroffen wurden. Der Gefahrenzonenplan wurde mittlerweile einer Nachbereitung unterzogen und als Präventivmaßnahme jährlich aktualisiert. Aus dem Katastrophenfond wurden in der Folge Spendengelder aufgebracht, dessen Verteilung Einheimische und Betroffene gleichmäßig behandelt. Weiters wurde der Wiederaufbau durch die öffentliche Hand unterstützt."