Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter Kinder

RSSLautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter Kinder Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter KinderCover: Lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung hörgeschädigter Kinder

Deutsch221 SeitenErschienen: 2011Edition: 1

"Das Leben mit einer Hörschädigung stellt den Betroffenen und vorrangig dessen Eltern vor Entscheidungen, die ein normal Hörender oder Eltern eines normal hörenden Kindes nicht kennen. Die Problematik der bestmöglichsten Förderung für eine erfolgreiche Integration des Kindes steht im Mittelpunkt der Diskussion, wobei die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung schon sehr früh einen essentiellen Grundstein heraus aus der Isolation der Gehörlosigkeit bietet. Die Lautsprache dient als Hauptkommunikationsmittel in unserer Gesellschaft und ist von entscheidender Wichtigkeit, wenn es darum geht, soziale Kontakte aufzubauen Die umfassende Bedeutung der Lautsprache ist kaum jemanden bewusst, der diese versteht und beherrscht und damit als Mitglied unserer Gesellschaft fungiert. Die Auswirkungen einer Hörstörung sind viel weitreichender als der reine Hörverlust. Eine nicht behandelte oder vorrangig gebärdensprachlich-orientierte Hörschädigung hat einen Teufelskreis zur Folge, der seinen Anfang daran nimmt, dass das hörgeschädigte Kind durch die Hörschädigung seine noch vorhandene Hörfähigkeit nicht schult und dadurch auch keine Lautsprache aufbauen kann. Das Hören und somit auch die Lautsprache müssen sehr früh in die Persönlichkeit der Kinder integriert werden, denn nur so können auch diese Kinder einen hohen Grad an Selbstständigkeit für ihr eigenes Leben gewinnen und müssen sich nicht von Dolmetschern abhängig machen.
Die zentrale Fragestellung dieses Buches ist, wie hörgeschädigte Kinder in die „Hörende Welt“ integriert werden können und welche Möglichkeiten die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung bietet. Dabei steht vor allem die gesellschaftliche Dimension im Mittelpunkt des Interesses, also die Frage, wie ein hörgeschädigtes Kind am besten auf ein Leben in der „Hörenden Welt“ vorbereitet werden kann, wie es ein eigenständiges Leben führen kann und welche Rolle das Kommunikationsmittel Sprache in diesem Zusammenhang spielt.
Ziel dieser Arbeit soll sein, die lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken und die These zu untersuchen, dass, je früher Kinder lautsprachlich gefördert werden, sie desto mehr Chancen in der Schule, im Beruf und im gesamten Leben haben. Das Hören muss in die Persönlichkeit integriert werden und somit zu einer Selbstverständlichkeit werden."ISBN: 978-3-8428-1250-5Verlag: Diplomica VerlagTags: Hörgeschädigtenpädagogik Sprachentwicklung Frühförderung Integration Cochlea-Implantat Lautsprache Gebärdensprache44.99 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

  • Leseprobe
  • "Kapitel 2.2, Allgemeine Grundlagen zum Thema Hörstörung:
    Dieser Abschnitt beschäftigt sich nun eingehender mit dem Thema Hörstörungen. Nachdem im vorherigen Kapitel erklärt wurde, wie ein Ohr aufgebaut und ist wie das Hören anatomisch funktioniert, kann nun in diesem Kapitel darauf aufgebaut werden und die Fehler in der Funktion des Ohres und des Hörens genauer erläutert werden. Zusätzlich werden auch die Hörsituation von Hörgeschädigten, die sich von der Normalhörender stark unterscheidet, die Ursachen und Auswirkungen einer Hörstörung und ihre Population beschrieben. Abschließend wird auf die Möglichkeiten, welche hörgeschädigte Menschen haben, um ein besseres Hörerlebnis zu erzielen, eingegangen.
    2.2.1, Welche Formen von Hörstörungen gibt es?
    Grundsätzlich ist zu sagen, dass ‘Funktionsstörungen im Bereich des Hörorgans, der Hörbahnen oder der Hörzentren […] eine Schwerhörigkeit oder eine Gehörlosigkeit [bewirken]’. Eingangs werden nun die Arten von Hörschäden erläutert. Grundsätzlich ist zu sagen, dass man zwischen drei Arten von Schwerhörigkeit und zwischen der Gehörlosigkeit unterscheidet. Da die Gehörlosigkeit, sofern sie nicht mit einem Cochlea-Implantat versucht wird zu umgehen, eine andere Art der pädagogischen Intervention und Frühförderung erfordert, werde ich in dieser Arbeit nicht spezifischer darauf eingehen.
    Diese Arbeit konzentriert sich auf die Förderung von Menschen mit einer Hörstörung, die, wenn auch nur mit Hilfe von Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten, akustisch wahrnehmen können. Besprochen werden auch die Arten der Schwerhörigkeit: die Schallleitungsstörung, die Sensorineurale Schwerhörigkeit und die Kombinierte Schallleitungs-Schallempfingsschwerhörigkeit.
    2.2.1.1, Die Schallleistungsstörung:
    Bei der Schallleitungsstörung kommt der Schall nicht ungehindert zum Innenohr. Dies bedeutet, dass man es hier mit einer Störung des Gehörgangs, der Elastizität des Trommelfells oder der Beweglichkeit der Gehörknöchelchen im Mittelohr zu tun hat. Hierbei funktioniert das Innenohr mit all seinen Funktionen völlig normal. Diese Art von Hörstörung ist meist eine Folge von Mittelohrentzündungen oder Infektionskrankheiten. Hierbei findet ein auf allen Frequenzen etwa gleich großer Hörverlust statt, was zu einem leiseren Hören des Betroffenen führt und daher nicht immer sofort von den Betroffenen erkannt wird. Diese Art der Schwerhörigkeit kann und soll sehr einfach mit Hilfe von Hörgeräten verbessert werden.
    2.2.1.2, Die Kombinierte Schallleitungs-Schallempfindungsschwerhörigkeit:
    Die Kombinierte Schallleitungs-Schallempfindungsschwerhörigkeit wird oft vereinfacht in der Fachliteratur nur als Kombinierte Schwerhörigkeit oder auch als kombinierte Mittelohr- und Innenohrschwerhörigkeit bezeichnet.
    Hierbei wird der Schall durch den natürlichen Weg über das äußere Ohr zum Innenohr, wie bei der Schallleitungsschwerhörigkeit, und auch bei der Übertragung durch den Schädelknochen zum Innenohr vermindert wahrgenommen. Dabei ist der Hörverlust vom äußeren Ohr über das Mittelohr zum Innenohr jedoch größer als bei der Übertragung durch den Schädelknochen.
    2.2.1.3, Die Sensorineurale Hörstörung oder Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung:
    Bei der Sensorineuralen Hörstörung ist die auditive Wahrnehmung gestört. ‘Die auditive Wahrnehmung ist nicht das Hören an sich, sondern die Erfassung des Gehörten und die Verarbeitung im Gehirn.’.
    Hierbei unterscheidet man zwischen zwei Formen: der sensorischen oder cochleären Schwerhörigkeit und der neuronalen oder retrocochleären Schwerhörigkeit, die anschließend noch genauer beschrieben werden. Beide Formen können jedoch auch gemeinsam auftreten. Der Ursprung der Störung liegt bei beiden Formen entweder im Innenohr oder im Hörnerv auf dem Weg zum Gehirn, wobei die Ursachen der sensorineuralen Hörstörung unterschiedlich sind. Sie kann durch eine Rötelnerkrankung oder Toxoplasmoseerkrankung (Infektionskrankheit) der Mutter während der Schwangerschaft, durch Atemnot oder Atemstillstand des Kindes während der Perinatalen Phase (Phase zwischen der 28. Schwangerschaftswoche und dem 7. Tag nach der Geburt), durch Hirnhautentzündungen, Entzündungen des Gehirns, durch toxische Stoffwechselstörungen oder lang andauernden Lärm entstehen. Hierbei sind die höheren Frequenzen des Hörens stärker von der Störung betroffen, dies bedeutet, dass die Lautsprache nur verzerrt wahrgenommen werden kann. Diese Hörstörung erfordert eine gründliche audiologische Diagnostik und Anpassung der Hörgeräte, wie auch eine intensive Hörerziehung bzw. eine lautsprachlich-hörgerichtete Frühförderung!
    Die sensorineurale Hörstörung kann in Form einer sensorischen oder neuronalen Hörstörung auftreten. Beides sind Formen überschwelliger Hörstörungen, dies bedeutet, dass höhere Frequenzen nur erschwert wahrgenommen werden können.
    Die sensorische oder cochleäre Schwerhörigkeit:
    Bei dieser Form von Schwerhörigkeit kommt es zu einem Recruitment. Ein Recruitment ist die Folge einer Innenohr-Haarzellenstörung und hat einen pathologischen Lautheitsausgleich zur Folge. Dies bedeutet, dass leise Geräusche, die unter der Hörschwelle liegen, überhaupt nicht wahrgenommen werden, während alle Geräusche oberhalb der Hörschwelle gut wahrgenommen werden können. Hierbei erkennt man, dass die sensorische Schwerhörigkeit nur einen bestimmten Frequenzbereich betrifft, nämlich jenen geschädigten Sinneshaarzellenabschnitt in der Cochlea.
    Zusätzlich verringert sich bei dieser Form der Hörschädigung auch der Abstand zwischen Hörschwelle und Schmerzschwelle, was zu einem Unwohlsein beim Betroffenen führt. Die Ursache eines Recruitments liegt an einer speziellen Innenohrschädigung.
    Die neuronale oder retrochochleäre Hörstörung:
    Das Hauptmerkmal der neuronalen Hörstörung ist die pathologische Verdeckung. Hierbei kommt es zu einer pathologischen auditiven Ermüdung, wobei die Hörschwelle von der Geräuschbelastung abhängig ist. Den Betroffenen fällt es schwer zwischen Störschall, wie z.B. Nebengeräuschen, und Nutzschall, wie etwa der Sprache, zu unterscheiden, was ein Verstehen von Sprache erschwert. Die Ursache einer pathologischen Verdeckung ist eine Schädigung des Hörnervs."