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Aus dunklem Tann [Karl May]
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 Deutsch Seiten: 402 Erschienen: 1973 Aus dunklem Tann
Diese "Erzgebirgischen Dorfgeschichten" stammen (mit Ausnahme von "Sonnenscheinchen") aus Mays frühester Schaffenszeit. Er zeigt sich hier von ungewohnter Seite: In heimischer Landschaft ereignen sich Konflikte, deren Schilderung an Spannung den exotischen Erzählungen in nichts nachsteht.
Der Band enthält folgende Erzählungen:
1.) Sonnenscheinchen
2.) Des Kindes Ruf
3.) Der Grenzmeister
4.) Der Teufelsbauer
5.) Der Bonapartenschuster
6.) Der Giftheiner
7.) Der Geldmarder
8.) Die Rose von Ernstthal
9.) Anhang: Der Samiel (im Faksimile)
Gesammelte Werke Band 43
ISBN: 978-3-7802-1743-1 Verlag: Karl-May-Verlag Besucher, die sich für dieses Buch interessiert haben, suchten auch nach:Derwisch, Carter, Eremit, Unter Geiern, Der Waldschwarze, Blutrache, Marketing, Bagdad Stambul, Kurdustan, Mutzenbacher, Schacht und Hütte, Trinity, Politik, Gesellschaft, Mahdi, Ischariot, Ozean, Balkan, Tourismus, Reise
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9,90 EUR
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Bücherliste
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Leseprobe
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Inhaltsverzeichnis
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SONNENSCHEINCHEN
Der Herr Major fuhr durch das Dorf. Die Frau Major saß neben ihm. Und auch das ,Majörle‘ war dabei, das kleine.
Man kannte den Herrn Major im ganzen Ort, und jedermann, einen Einzigen ausgenommen, hatte ihn lieb. Er gehörte zu jenen im Dienst unnachsichtig strengen Offizieren, die aber, sobald sie den Zivilrock tragen, gegen alle Menschen mild und freundlich sind. Und heut war er in Zivil! Der weiche Felbelhut saß ihm hinten im Nacken, sodass das braune Gesicht mit der hohen Stirn, unter der die hellen Augen nach allen Seiten lachten, ganz zu sehen war.
Die Frau Major war eine schöne, schlanke, aber blasse Frau. Den Schleier hatte sie trotz des Sonnenscheins, der rundum licht auf den Fluren lag, zurückgeschlagen, um die gesunde, reine Bergluft frei einatmen zu können. Ihre Augen hatten fast die Farbe der Veilchen, die sich schon hier und da im Gras sonnten; sie schaute so sinnend, so eigentümlich träumerisch in die Welt hinein. Was für Augen waren das wohl? Diese Frage wusste der Herr Lehrer am besten zu beantworten. Er war in den vorigen Ferien in der Hauptstadt gewesen und hatte bei Majors mitspeisen dürfen. Da hatte er mit der Frau viel gesprochen und dann nach seiner Rückkehr im Dorf berichtet: „Sie ist hochgebildet und sehr ideal; darum fasst sie alles von der poetischen Seite auf. Ja, sie macht sogar Gedichte!“
Das ,Majörle‘, das im Wagen rückwärts saß, war nicht in Zivil. Seine elfjährige Gestalt steckte in der schönen, bunten Uniform, die ihm zu Weihnachten vom Christkindlein beschert worden war. Daheim durfte sie nur im Zimmer getragen werden; auf der Straße war es verboten. Aber hier im Dorf, das war etwas ganz anderes! Das ,Majörle‘ hatte rundweg erklärt, es werde diese Reise in das Gebirge nicht mitmachen, wenn es die Uniform nicht anziehen dürfe, und dieser militärisch feste Wille war nach langen, elterlichen Gegenreden schließlich mit der schuldigen Ach ung begriffen und ausgeführt worden. In der Rangliste der Kinderzeit steht das ,Majörle‘ über dem Major. Man hat ihm zu gehorchen!
Heut war ein warmer, einzigschöner Frühlingstag. Die Luft schien stillzustehen, doch fühlte man den Hauch des jungen Lebens, der aus dem Mund des Lenzes geht, wenn dieser der Natur leise verkündet, dass es nun wieder blühen und duften werde. Die Sonne hatte den Mittagspunkt noch nicht erreicht, schien aber schon so warm wie sonst im Mai. Es war, als habe sie die Leute sogar aus der Kirche gelockt. Der Sonntags-Frühgottesdienst war zu Ende und die Leute kamen, die Gesangsbücher in den Händen, aus dem breiten Kirchentor, um sich heimkehrend im Dorf zu verteilen. Diejenigen von ihnen, die dem Wagen des Majors begegneten, grüßten mit jener warmen Höflichkeit, der man es ansieht, dass sie aus dem Herzen kommt. Der Major dankte, indem er den Hut abnahm.
Frau Major nickte freundlich. Das ,Majörle‘ legte das Zeige- und Mittelfingerchen an die betresste Mütze und machte dazu eine Miene, als ob es gar keinen höheren Rang über ihm gäbe. Das war so eine selbstbewusste Art, die wahrscheinlich von seinen vielen vornehmen Ahnen stammte...
| SONNENSCHEINCHEN
| | | DES KINDES RUF
| | | DER GRENZMEISTER
| | | DER TEUFELSBAUER
| | | Der Tannenhof
| | | Feuer
| | | I | m Felsenbruch
| | | DER BONAPARTENSCHUSTER
| | | DER GIFTHEINER
| | | Der Vogelsteller
| | | Das alte Lied
| | | Der Teichbauer
| | | Zwei Werbungen
| | | Das Gift
| | | Eine Schlittenfahrt
| | | Weihnachtsfrieden
| | | DER GELDMARDER
| | | DIE ROSE VON ERNSTTHAL
| | | Anhang: DER SAMIEL | |
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