Kulturelle Identität in der Pflege

Fallverstehen und Regelwissen als Grundlage kultursensibler Kompetenz am Beispiel familiärer Strukturen von türkischen Migranten

RSSKulturelle Identität in der Pflege Kulturelle Identität in der PflegeCover: Kulturelle Identität in der Pflege

Deutsch121 SeitenErschienen: 2007Edition: 1

Die zunehmende Pflegebedürftigkeit älterer türkischer Migranten und Migrantinnen rückt zusehends in den Fokus professioneller Pflege. Bislang ist nur wenig Wissen über das laikale Fürsorgesystem dieser Klientel für die pflegerische Praxis aufbereitet worden. Dieses Regelwissen kann als zusätzlicher Orientierungsrahmen für die Planung professioneller kulturkongruenter Pflege dienen. Verbunden mit der Festlegung von Regelwissen über ein Kollektiv (und dessen Kultur) ist allerdings die Gefahr einer pauschalisierenden Betrachtung des Individuums. Daher favorisiert diese Arbeit eine phänomenologisch-hermeneutische Interpretation des Kulturbegriffs. Dieses Kulturverständnis geht mit der Forderung nach einer ausreichenden Entfaltung und Vertiefung sozialer Kompetenzen einher. Eine Stereotypisierung des türkischen Migranten kann somit begrenzt werden. Vor dem Hintergrund dieses theoretischen Rahmens werden die familiären Strukturen türkischer Migranten und Migrantinnen beleuchtet. Aus diesen Erkenntnissen wird für die Pflege, insbesondere durch eine historisch-hermeneutische Vorgehensweise, 'spezialisiertes Regelwissen' abgeleitet, welches vor dem Hintergrund gut ausgebildeter kultureller Teilkompetenzen (hermeneutisches Fallverständnis) zum 'Verstehen' der Lebenswelt des einzelnen türkischen Migranten beitragen kann. Letztendlich lassen sich aus dem gewonnenen 'spezialisierten Regelwissen' für die professionelle Pflege Verhaltensweisen ableiten, die einer kulturkongruenten Pflege förderlich sind. Speziell wird in der Arbeit die pflegedidaktische Relevanz einer Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff, einer Vertiefung sozialer Kompetenzen hin zu kulturellen Teilkompetenzen sowie die Beschäftigung mit den familiären Strukturen türkischer Migranten aus den ländlichen Gebieten Anatoliens (1. Generation) thematisiert. Abschließend werden die behandelten Inhalte in einer fiktiven Unterrichtseinheit für die pflegerische Ausbildung praktisch umgesetzt.ISBN: 978-3-8366-0515-1Verlag: Diplomica Verlag GmbHTags: Kultursensible PflegePflegedidaktikTranskulturellAnatolienFamiliäre StrukturMigrationTürkeiDeutschlandTürkischer EinwandererErste Ausländergeneration43,00 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

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  • Kapitel 4.5.3, Zur Anwendung spezialisierten Regelwissens im Kontext kulturkongruenter Pflege: Betrachten wir zunächst grundlegend das familiäre System. Wird für die Analyse des familiären Systems, die von KAITÇIBAI entwickelte Matrix herangezogen so ist diese nicht nur auf die Familieneinheit, sondern immer auch auf die Individuen anzuwenden. Einer Pauschalisierung wird somit vorgebeugt und gleichzeitig werden Pflegenden mögliche innerfamiliäre Konflikte bewusst, die es eventuell im Rahmen des Pflegeprozesses zu berücksichtigen gilt. Pflegenden muss bei der Verwendung des Modells bewusst sein, dass eine Kategorisierung von Familien bzw. Familienmitgliedern auch immer die Gefahr der Stereotypisierung mit sich bringt. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass auch familiäre Strukturen außerhalb der von KAITÇIBAI entwickelten Matrix existieren und die etablierten Familienmodelle zurückgewiesen werden müssen. Es wurde dargestellt, dass türkische Migranten sich an unterschiedlichen Familienmodellen orientieren. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass Migranten der 1. Generation aufgrund ihrer geographischen Herkunft, nämlich überwiegend aus Anatolien, sich an einem traditionellem Familienmuster, welches von KAITÇIBAI als der familienzentrierte, urban-ländliche Typ klassifiziert wird, orientieren. Hier sollten Pflegende grundsätzlich mit einer geschlechtsspezifischen Rollenaufteilung im Familiensystem rechnen. Indes müssen Pflegende, um Stereotypisierungen zu vermeiden, prinzipiell berücksichtigen, dass sie auch auf andere, eher an westlichen Werten orientierte Familienstrukturen treffen können. Dieses Familienmodell des westlich-emotionalen Typs setzt sich nach KAITÇIBAI, wie bereits dargelegt wurde, insbesondere in den nachfolgenden Generationen immer mehr durch. Pflegende müssen somit in der Lage sein einzuschätzen, welche ungefähre Form der Familienstruktur vorliegt und welche Rollenmuster innerhalb der Familie gelebt werden. Das wichtigste Merkmal auf welches sich Pflegende verlassen können, ist das Nebeneinander von Kontinuität und Veränderung der Familienstrukturen türkischer Migranten. Es wurde deutlich, dass türkische Migranten, egal aus welchem Teil der Türkei sie stammen, prinzipiell das System Familie als einen Grundpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenlebens betrachten. Aus dem stark ausgeprägten Familienzusammenhalt und der Verpflichtung zur gegenseitigen Unterstützung lässt sich schließen, dass die Pflege von Angehörigen grundsätzlich ein Bereich ist, der von der Familie übernommen wird. Obwohl tendenziell zu erkennen ist, dass sich türkische Migranten von dem Paradigma der Mehrgenerationenfamilie lösen, bleiben Kernfamilien bestehen, die mit der restlichen Familie eine enge emotionale Bindung eingehen. Dies lässt vermuten, dass das private soziale Netzwerk, bestehend aus der Familie, aber auch aus Freunden, wesentlich stärker belastbar ist, als bei deutschen (isolierten) Kleinfamilien. Innerhalb sehr traditioneller Familien muss ferner vermutet werden, dass die Übernahme der Pflege der Eltern auch mit Zwang verbunden sein kann. So postuliert HIELEN, dass eine Nichtübernahme der Versorgung der Eltern bedeutet, diese nicht zu achten, zu ehren und zu respektieren. Solch ein Verhalten wird vom sozialen Umfeld in der türkischen Gemeinschaft sanktioniert. Diese Form der Motivation zur Übernahme der Pflege sollte äußerst kritisch betrachtet und von Pflegenden selbstredend nicht unterstützt werden. Es ist aufgrund der obigen Ausführungen wenig verwunderlich, wenn HOLZ U.A. postulieren, dass professionelle Pflege überwiegend erst dann in Anspruch genommen wird, wenn eine so erhebliche Pflegebedürftigkeit besteht, daß die Familien oder Freunde und Nachbarn die Versorgung nicht mehr sicherstellen konnten. Aufgrund dieser vorherrschenden Perspektive der ´unctionally extended family können Pflegende davon ausgehen, dass türkische Angehörige grundsätzlich leichter, als beispielsweise deutsche Familienangehörige, in die Pflege zu integrieren sind. Pflegende können hier auch auf die Probleme, die westliche Individualisierungstendenzen verursachen, aufmerksam gemacht werden. Gleichzeitig können die Vorteile kollektivistisch orientierter Gesellschaften aufgezeigt werden. Die Ressource Angehörigenpflege sollte aus einer patientenorientierten, aber auch aus einer ökonomischen Perspektive genutzt werden. Für Pflegende würde dies bedeuten, dass sie bei türkischen Migranten Kompetenzen im Bereich der Anleitung und Beratung pflegender Angehöriger benötigen. Nach SCHILDER können Pflegende somit eine gewichtige fördernde Aufgabe in der Stabilisierung des Angehörigensystems übernehmen. Ferner wird der kulturellen Erwartung des Klienten weiterhin durch das familiäre System gepflegt zu werden, entsprochen. Einem idealisierten Bild der türkischen Familie, welche bis zu einem gewissen Grad autark auf pflegerische Herausforderungen reagiert, ist allerdings nach SCHILDER und ZIELKE-NADKARNI zu widersprechen. So verweisen beide Autoren darauf, dass es durchaus Fälle gibt, in denen das soziale Netz teilweise nur rudimentär vorhanden ist oder sogar ganz fehlt. In diesem Kontext ist ferner zu berücksichtigen, dass die beschriebenen Strukturveränderungen in türkischen Familien, die einen gewissen Grad der Verwestlichung der Familienstrukturen bewirken, die Bereitschaft und die Möglichkeit zur Übernahme der Pflege verändern. SCHILDER beobachtet daher auch eine Zunahme der Auseinandersetzung von Patienten und deren Angehörigen mit externen Hilfsmöglichkeiten. Vor dem Hintergrund dieser absehbaren Veränderungen müssen Pflegende davon ausgehen, dass die derzeit noch dominierende Angehörigenpflege vermutlich eine instabile Übergangssituation darstellt und langfristig vermehrt mit einem Abbau dieser Ressource zu rechnen ist. Bei der Beschäftigung mit den pflegespezifischen Konsequenzen, die sich aus der geschlechtsspezifischen Rollenaufteilung ergeben, ist grundlegend festzuhalten, dass die kindliche Sozialisation am nachhaltigsten für die Übernahme eines bestimmten Rollenverständnisses verantwortlich ist. Die Beziehung zwischen den Eltern dient sowohl als Modell für männlich-weibliche Beziehungen im allgemeinen, als auch als Muster für familieninterne Rollen von Ehegatten und Eltern. Das Zitat unterstreicht die Notwendigkeit zur Fähigkeit Pflegender, die eigene ethnozentrische Perspektive zu reflektieren. Bei der Auseinandersetzung mit den Rollenmustern türkischer Migranten müssen Pflegende eine Perspektive entwickeln, welches den anatolischen Mann und die anatolische Frau als ein Produkt ihrer jeweiligen Sozialisation wahrnimmt. Aus diesem Blickwinkel kann eine Akzeptanz und Toleranz für das Verhalten türkischer Migranten entwickelt werden. Auf diesem Fundament können dann die einzelnen Rollenmuster verstehbar gemacht, und die daraus resultierenden pflegespezifischen Erfordernisse erarbeitet werden. Abschließend wird diskutiert, welche grundlegenden Erwartungen und Anforderungen sich für eine kulturkongruente Pflege des türkischen Migranten der 1. Generation aus dem männlichen bzw. weiblichen Rollenverständnis ergeben. Wie bereits erwähnt müssen Pflegende bei türkischen Migranten der 1.Generation eine Familienstruktur erwarten, die sich überwiegend an dem familienzentrierten-urban-ländlichen Typ orientiert. Folgerichtig nimmt daher der Mann innerhalb der Familie sehr wahrscheinlich eine patriarchalische Stellung ein. Innerhalb solcher Familien müssen Pflegende sich über die grundsätzliche Rolle des Mannes als zuständigen Vertreter der Exosphäre der Familie bewusst sein und diese auch akzeptieren. Zu dieser Schlussfolgerung kommt beispielsweise auch KAITÇIBAI, die postuliert, dass Männer aus ländlichen Gebieten die meisten nach außen gerichteten Tätigkeiten beherrschen. Pflegende sollten daher damit rechnen, dass ihnen speziell bei ersten Kontakten zur Familie, beispielsweise im ambulanten Bereich, keine weiblichen Ansprechpartner zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang verweisen HOLZ U.A. darauf, dass türkische Frauen nicht nur aufgrund der geschlechtsspezifischen Rollenaufteilung sondern auch aufgrund der geringeren Deutschkenntnisse, die sich partiell sicherlich aus der endosphärischen Orientierung ergeben, nicht als Ansprechpartner für die Pflege zur Verfügung stehen. Dies bedeutet für Pflegende, dass wichtige Entscheidungsfindungsprozesse, beispielsweise über erforderliche Pflegemaßnahmen, in aller Regel mit dem Mann und weniger mit der Frau zu initiieren sind. Lediglich Frauen, die die Menopause überschritten haben, werden in traditionell geprägten Familien eingeschränkte Entscheidungsspielräume in Bezug auf die Exosphäre zugestanden. In diesem Zusammenhang ist auch auf den Ehrbegriff des Mannes zu verweisen. Eine Einbeziehung der Frau in Entscheidungsfindungsprozesse, kann innerfamiliäre Konflikte auslösen, da die Ehre des Mannes verletzt wird. Die praktische Übernahme der Pflege erfolgt fast immer durch ein weibliches Familienmitglied, in der Regel der Ehefrau. Begründet ist dies ebenfalls durch den Ehrbegriff und das patriarchalische Rollenverständnis traditionell orientierter Männer, die alles was als Frauenarbeit angesehen wird ablehnen. Dies würde Schande über den Mann bringen und ihn entehren. Da pflegerische Tätigkeiten als Frauenarbeit angesehen werden, werden diese in der Regel auch von den weiblichen Familienmitgliedern übernommen. KRÜGER führt den geringen Anteil türkischer Männer in der Angehörigenpflege u.a. aber auch darauf zurück, dass pflegebedürftige türkische Frauen ihre Pflegeerwartungen nicht an ihre Männer oder Söhne sondern explizit an ihre Töchter oder Schwiegertöchter richten. Allerdings sei darauf verwiesen, dass türkische Männer durchaus pflegen, nämlich Söhne überwiegend ihre Väter, wenn die Umstände dies zulassen. Pflegende sollten dies insbesondere im Rahmen einer angestrebten Angehörigenintegration berücksichtigen. Der geringe Anteil türkischer Männer in der Pflege lässt sich sicherlich aber nicht nur auf ein überwiegend in der 1. Generation verbreitetes traditionelles Rollenmuster zurückführen. Beispielsweise können auch geographische Faktoren oder die berufliche Tätigkeit hier ausschlaggebend sein. Ferner sollten sich Pflegende vor Augen führen, dass der Anteil deutscher Männer in der Angehörigenpflege lediglich zwischen 21% und 27% liegt und hier ebenfalls überwiegend die Frauen die Angehörigenpflege abdecken. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der traditionell orientierte türkische Mann zusätzlich dem Ehrenkodex unterworfen ist, und daher bestimmten Zwängen seines Rollenmusters unterliegt, aus dem er nicht ohne eine allgemeine Ächtung durch die türkische Gemeinschaft, ausbrechen kann. Eine Verurteilung des türkischen Mannes bezüglich einer Nichtbereitschaft zur Pflege kann daher nicht pauschal erfolgen. Aus dem patriarchalischen Rollenverständnis des Mannes, sowie der zu vermutenden Abwertung des weiblichen Geschlechts können sich insbesondere für weibliche Pflegende Probleme innerhalb der Pflegedyade entwickeln. So akzeptiert unter Umständen der Mann im Rahmen von Entscheidungsfindungsprozessen nicht die Argumente einer weiblichen Pflegeperson. Ferner können bei der weiblichen professionellen Pflegeperson durch die erfahrene mangelnde Akzeptanz existentiell belastende Erfahrungen ausgelöst werden. Eine befriedigende Lösung kann bei diesen kaum auflösbaren Konflikten nicht angeboten werden, ohne den Fokus der Patientenorientierung aus dem Auge verlieren. Als einzige Alternative verbleibt vermutlich nur der Rückzug der weiblichen Pflegepersonen und die Auflösung der Pflegedyade. Um solche Konflikte zu vermeiden sollte im Vorfeld mit dem Pflegebedürftigen ausgehandelt werden, ob er auch weibliche Pflegepersonen akzeptiert. Auch unter Ausblendung einer ethnozentrischen, aufgeklärten, abendländischen Perspektive kann die Suppression der Frau innerhalb des familienzentrierten-urban-ländlichen Typs nicht als folkloristischer Ritus abgetan werden. Zwar konnte dargelegt werden, dass Zweifel daran bestehen ob der Islam monokausal für die Diskriminierung der Frau verantwortlich gemacht werden kann, oder ob nicht vielmehr wirtschaftliche Gründe und das Hegemonialstreben des männlichen Geschlechts für die Suppression der Frau verantwortlich sind. Tatsache bleibt jedoch, dass Frauen bestimmten suppressiven Zwängen ihres Rollenmusters ausgesetzt sind. Unter Einbezug unserer ethnozentrischen westeuropäischen Perspektive entsteht der Eindruck, dass Frauen ihr Rollenverständnis aufgezwungen wird, wohingegen Männer ihr Rollenmuster, aufgrund der Vorteile, die es bietet, dankbar akzeptieren. Pflegende können allerdings aufgrund des fortgeschrittenen Alters türkischer Migrantinnen davon ausgehen, dass die Diskriminierung und Suppression der Frau wesentlich milder praktiziert wird. Damit verbunden ist ein gewisser Status, der sich in Respekt gegenüber Älteren äußert. Aufgrund der von den Frauen im Alter eingenommen Position sollten Pflegende abklären, in welcher Weise die Frau in die Exosphäre des Mannes integriert ist. In diesem Zusammenhang sollten Pflegende berücksichtigen, inwieweit Frauen an Entscheidungsfindungsprozessen beteiligt werden können. In den hier überwiegend fokussierten traditionell lebenden türkischen Familien der 1. Generation werden die geschlechtsspezifischen Rollenmuster vielfach als normal empfunden. Pflegende müssen demzufolge mit einer gewissen Suppression der Frau umgehen können und diese in ihrem spezifischen Kontext akzeptieren lernen. Vor dem Hintergrund, dass insbesondere ältere traditionell lebende türkische Frauen als sehr konservativ gelten, können Toleranz und Akzeptanz sowie die Wertschätzung der Frau in ihrer Rolle die Grundlage für eine kulturkongruente patientenorientierte Pflege bilden. Emanzipatorische Bestrebungen zur Verbesserung der Situation der türkischen Migrantin sind vermutlich eher unangebracht. Hier würde eine über Jahrzehnte internalisierte kulturelle Identität, sowohl der Frau als auch des Mannes, in Frage gestellt werden. Die kulturelle Identität traditionell orientierter türkischer Migrantinnen wird weiterhin durch den Begriff der Schamhaftigkeit entscheidend geprägt. Für Pflegende ist es daher notwendig sich mit diesem Begriff und den damit verbundenen Verhaltensregeln auseinander zusetzen. Prinzipiell lässt eine auffallende Schamhaftigkeit darauf schließen, dass diese Patienten eher die Einhaltung bestimmter Grenzen bzw. eine gewisse Distanz als körperliche Nähe von Pflegenden erwarten. Da in traditionellen Kontexten die Frauen versuchen die Männer grundsätzlich zu meiden, ist sicherlich zunächst vom Einsatz männlicher Pflegender abzusehen. Da aber von einem entspannteren Umgang mit dem Ehrbegriff im Alter auszugehen ist, kann in traditionellen Kontexten durchaus abgeklärt werden inwieweit auch männliches Personal bei älteren Migrantinnen zum Einsatz kommen kann. Von Tätigkeiten, die die Körperpflege umfassen bzw. eingehenderen Körperkontakt erforderlich machen sollten männlich Pflegende allerdings Abstand nehmen. Grundlegend bleibt festzuhalten, dass die Ehre der Frau durch die Achtung ihrer Schamhaftigkeit bewahrt werden kann.