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 Deutsch Seiten: 511 Erschienen: 2006 Die Schatten des Schah-In-Schah
Alternativer Fortführung von Karl Mays Reiseerzählungen Der Löwe der Blutrache und Bei den Trümmern von Babylon
Der vorliegende Roman spielt Mitte der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts und ist eine spannende Fortsetzung der von Karl May in den Bänden 26 und 27 der Gesammelten Werke geschilderten Ereignisse im Stil seiner früheren Reiseerzählungen.
Unter den weit ausladenden Ästen eines alten Tschäna rBaumes brannte ein kleines Feuer. Von den beiden Männern, die daran saßen und sich an den Resten zweier Sandhühner gütlich taten, war der eine von ziemlich großer, der andere von sehr kleiner Gestalt. Sie waren beide mit kurzen Jacken und weiten türkischen Schalwarlar2 bekleidet, doch trug der Große langschäftige Stiefel und einen Fes, während der Kleine zwar kurze Stiefel, dafür aber einen Turban von umso stattlicherer Ausdehnung sein Eigen nannte. Aus den um die Hüften geschlungenen Basara-Schals blickten bei dem Größeren die Griffe zweier Revolver, bei dem Kleinen die von zwei türkischen Pistolen; auch hatte jeder ein Messer, dessen sie sich soeben zur Zerkleinerung des erlegten Federwildes ...
Verlag: Karl-May-Verlag Besucher, die sich für dieses Buch interessiert haben, suchten auch nach:Old Shatterhand vor Gericht, Karl May und Tirol, Fehsenfeld, Lukullistan, Im Reiche des roten Adlers, Die blaue Schlange, Die Schatten des Schah - in - Schah
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Unter den weit ausladenden Ästen eines alten TschänarBaumes1 brannte ein kleines Feuer. Von den beiden Männern, die daran saßen und sich an den Resten zweier Sandhühner gütlich taten, war der eine von ziemlich großer, der andere von sehr kleiner Gestalt. Sie waren beide mit kurzen Jacken und weiten türkischen Schalwarlar2 bekleidet, doch trug der Große langschäftige Stiefel und einen Fes, während der Kleine zwar kurze Stiefel, dafür aber einen Turban von umso stattlicherer Ausdehnung sein Eigen nannte. Aus den um die Hüften geschlungenen Basara-Schals blickten bei dem Größeren die Griffe zweier Revolver, bei dem Kleinen die von zwei türkischen Pistolen; auch hatte jeder ein Messer, dessen sie sich soeben zur Zerkleinerung des erlegten Federwildes bedienten, der Fes-Träger außerdem noch einen persischen Chändschär3, dessen Horngriff kunstvoll mit Silber ausgelegt war. Neben dem Besitzer des gewaltigen Turbans lag ein langer, gleichfalls silberbeschlagener türkischer Tüfek, während sein Gefährte zwei Gewehre besaß. Das eine von ihnen hatte ganz ungewöhnlich mächtige Ausmaße, wogegen das andere in seinen bescheidenen Formen beinahe an das Schießzeug eines Sonntagsjägers erinnerte.
Unweit des Rastplatzes der beiden Männer knabberten ihre Pferde das Laub von den Zweigen. Es waren zwei Rappen, und trotz des spärlichen Lichts, das der Feuerschein verbreitete, hätte jeder Beobachter sofort erkannt, dass es sich hier um Radschi pak, reinstes arabisches Vollblut, handelte.
Besonders das eine Tier war von einem Körperbau, in dem sich leichte Anmut und Feingliedrigkeit mit einer geradezu majestätischen Haltung vereinigten, aber auch das andere, das eine schmale Blesse unter der Stirn aufwies, hätte jeden Pferdekenner in Entzücken versetzt. Wie sie da standen, schienen beide Hengste nur auf den Wink ihrer Herren zu warten, um herbeizueilen und ihnen zu Diensten zu sein.
Und wer waren diese Männer und ihre Pferde? Der Leser wird es wohl schon erraten haben: Der Kleine war mein einstiger treuer Diener und jetziger nicht weniger treuer Freund und Reisegefährte Hadschi Halef Omar, der Scheik der Haddedihn-Araber, und der Große war kein anderer als ich selbst. Halefs Rappe, ein Nedschedi-Hengst, hörte auf den Namen Barkh1, während mein Rappe, der Sohn meines unvergesslichen Rih2, den Weidegründen der Haddedihn entstammte und Assil Ben Rih3 genannt wurde.
Wir hatten von Basra aus die persische Grenze erreicht und durchquerten nun in mehrtägigem beschwerlichen Ritt das südwestliche Bergland, um Schiras, unser erstes Ziel im Reich des Schah-in-Schah, zu erreichen. Der größte Teil dieses unwegsamen Gebiets lag bereits hinter uns und wir hätten daher allen Anlass gehabt, den kommenden Tagen mit freudiger Erwartung entgegen zu sehen. Was mich betrifft, so hatte ich auch nicht den mindesten Grund, mit meinem gegenwärtigen Schicksal unzufrieden zu sein; anders aber mein Halef, der, nachdem er sich vergeblich bemüht hatte, einen Knochen mit Hilfe seines Messers von den etwa noch daran haftenden Fleischresten zu befreien, schließlich Messer und Knochen missmutig beiseite warf und ausrief:
„Sihdi4, ich kann doch nicht begreifen, dass du so ruhig hier an meiner Seite sitzt und kaust, als hättest du das köstlichste Stück Wildbret der großherrlichen Tafel zu Stambul zwischen deinen Zähnen, während ich, dein Freund und Beschützer, mich vor unmenschlicher Wut beinahe selbst an Stelle dieser Sandhühner verzehren möchte und mir vorkomme wie der Ärmel eines alten Käba5, der nur noch aus Löchern besteht. Ich habe es ehrlich und aufrichtig satt!“
„Was?“, fragte ich, obwohl ich mir wohl denken konnte, was er meinte.
| Zur Stadt der Säfäwiden
| | | | In Verkleidung
| | | | Ghulam, der Pächter
| | | | Verwicklungen
| | | | Die Herren von Isfahan
| | | | Auf dem Friedhof
| | | | Gewalt und List
| | | | Ein alter Bekannter
| | | | Zusammenstoß
| | | | Am ‚Saum des Sandes‘
| | | | In der Kadscharenstadt
| | | | Ein Wiedersehen
| | | | Beim kleinen Marschall
| | | | Vor dem Pfauenthron
| | | | Die Geschichte der ‚Schatten‘
| | | | Die ‚Rose von Schiras‘
| | | | In der Synagoge
| | | | Vorbereitungen
| | | | Ein geheimes Treffen
| | | | Das Ende des Schattenreiches
| | | | Im ‚Paradies‘
| | | | Nachwort: Die ‚anderen‘ Schatten
| | | | Personenverzeichnis | | |
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