Tausend Jahre Eden

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Erde im Jahr 3205

Als Vanessa noch ein Kind war, konnte sie nicht begreifen, wie sich ihre wunderschöne Welt langsam veränderte. Ihr Vater nahm sie oft mit, wenn er mit seinem Fluggleiter über die wunderschönen riesigen Wälder flog. Vanessa liebte besonders abends diese Flüge, wenn man die Lichter der goldgelben Wohnpyramiden sah, die mit Glasröhren miteinander verbunden waren. Es war ein Anblick, als hätte man der Erde ein besonders wertvoll goldglänzendes Schmuckstück angezogen. Natur und Mensch existierten miteinander, als wäre es nie anders gewesen. Flora und Fauna waren so gesund und schön, wie es in einem Paradies nur sein kann. Eine Ausnahme waren die Märchenschlösser und Hexenhäuser. Ja, es gab Zwerge, Gnome, Kobolde, Feen und Elfen. Die Menschen hatten sich eine Märchenwelt mit Fabel- und Comicwesen geschaffen, wie es früher nur in der Fantasie von Kindern, Geschichtenerzählern oder Kinderbuchautoren möglich war. Aber in dieser Zeit waren all diese Wesen Androiden - ohne Geist und eigenem Bewusstsein. Dennoch funktionierte diese Fabelwelt so gut, wie eine von Gott geschaffene Märchen- oder Comicwelt. Die Erde war ein riesiges verspieltes buntes Abenteuerland geworden, das nach genauen Plänen und Regeln funktionierte.5,90 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

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  • Erde im Jahr 3205

    Als Vanessa noch ein Kind war, konnte sie nicht begreifen, wie sich ihre wunderschöne Welt langsam veränderte. Ihr Vater nahm sie oft mit, wenn er mit seinem Fluggleiter über die wunderschönen riesigen Wälder flog. Vanessa liebte besonders abends diese Flüge, wenn man die Lichter der goldgelben Wohnpyramiden sah, die mit Glasröhren miteinander verbunden waren. Es war ein Anblick, als hätte man der Erde ein besonders wertvoll goldglänzendes Schmuckstück angezogen. Natur und Mensch existierten miteinander, als wäre es nie anders gewesen. Flora und Fauna waren so gesund und schön, wie es in einem Paradies nur sein kann. Eine Ausnahme waren die Märchenschlösser und Hexenhäuser. Ja, es gab Zwerge, Gnome, Kobolde, Feen und Elfen. Die Menschen hatten sich eine Märchenwelt mit Fabel- und Comicwesen geschaffen, wie es früher nur in der Fantasie von Kindern, Geschichtenerzählern oder Kinderbuchautoren möglich war. Aber in dieser Zeit waren all diese Wesen Androiden - ohne Geist und eigenem Bewusstsein. Dennoch funktionierte diese Fabelwelt so gut, wie eine von Gott geschaffene Märchen- oder Comicwelt. Die Erde war ein riesiges verspieltes buntes Abenteuerland geworden, das nach genauen Plänen und Regeln funktionierte.

    Doch, da der Mensch nie zufrieden war, sollte es schon bald anders kommen. Als Vanessa abends von ihrer Mutter zu Bett gebracht wurde, hörte sie im Wohnbereich ihren Vater mit Leuten reden, die sie nur von Sehen kannte.

    "Ihr werdet sehen", hörte sie ihren Vater sagen, "es ist ein Fehler eine unabhängige Stadt im All zu bauen. Seit tausend Jahren gibt es drei Milliarden Menschen, die in Frieden miteinander leben. Es steht sogar in unseren alten Büchern: Wenn wir unvorsichtig werden, wird der Drache wieder erwachen."

    "Ach Peter, du bist ein Schwarzseher", antwortet Artan. Er war der Bürgermeister des Stadtbereich-Ariel, in dem Vanessa mit ihren Eltern wohnte. Ariel war ein Stadtbereich in Europa.

    "Was soll denn schon geschehen, wenn auf dem Jupitermond Europa eine Stadt errichtet wird. Dann können die dortigen Bewohner auch besser den Mond Terraformen."

    "Artan, du sagst es; Terraforming wurde Jahrhunderte lang verboten, nun wird es wieder angewandt. Das ist auch ein Fehler. Habt ihr all die alten Schriften vergessen?"

    "Wir haben nichts vergessen und es will ja auch niemand etwas an unserem System ändern. Wir werden weiter jeden Monat einmal in der Gruppe beichten. Wir werden weiter unsere gesteuerten Traumtests machen, um in einer virtuellen Welt zu sehen, wie wir in einem anderen Leben und einer anderen Zeit gehandelt hätten. Wir können uns aber von diesen Regeln nicht so stark eingrenzen lassen, dass wir unsere eigenen Gefängniswärter werden. Das langweilig brave Leben auf der Erde ist beendet. Die Leute wollen etwas erleben. Lass ihnen doch den Spaß!"
    "Es war einmal ein Volk, das lebte an einer tiefen Schlucht", begann Peter zu erzählen. "Früher benutzte das Volk eine wacklige Brücke, um auf die andere Seite zu kommen. Doch es stürzten ständig Leute in die Schlucht. Dann umgingen sie die Gefahr. Es passierte nie wieder ein Unglück."

    "Dann müssen wir eben eine neue Brücke bauen", antwortete Artan. "Kann sein, dass dann wieder, beim Bauen der Brücke, etwas passiert. Wenn sie aber fertig ist, haben wir für immer Ruhe."
    "Glaubst du wirklich, dass die Menschen schon bereit sind, eine neue Brücke zu bauen? Ich nicht. Sie wollen nur schnell auf die andere Seite", erklärte Peter.


    Nach diesen Worten war aus dem Wohnbereich nichts mehr zu hören. Ein paar Minuten später kam der Vater an Vanessas Bett. Er strich ihr zärtlich durch ihr hellblondes Haar. Seine ganze Sorge galt dem Leben seiner Tochter. Sie war ein Teil der Nachwelt. Ihr wird einmal das hinterlassen, woran seine Generation ein Leben lang gearbeitet hat. Leise und behutsam setzte er sich auf den Schemel neben dem Bett. Seine Gedanken gingen weit zurück in die Vergangenheit. Er dachte an die Zeit, als man die 40000 Menschen aus dem zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert aus ihrer eisigen Konservierung befreit hat. Es war das Jahr 2610. Diese Menschen kamen aus einer schlimmen Zeit. Als sie in der neuen Welt aufgetaut wurden, mussten sie lernen, nach den neuen Regeln der Vernunft zu leben. Die Menschen, die diese Regeln einst erstellten, hatten das Grauen noch vor Augen. Sie hatten am eigenen Leib gespürt, warum man solche Regeln brauchte. Sie führten die Beichte ein, bei der man nicht lügen konnte und jeder sagen musste, was er für Verbrechen begangen hatte.
    Sie testeten mit gesteuerten Träumen ihre Charaktereigenschaften. Sie wollten feststellen, wie sie in einem anderen Leben und in einem anderen Körper gelebt hätten. Das alles sollte sie vor Verbrechen, Krieg und Wahnsinn schützen. Gewaltgeschichten, Gewaltverherrlichung, harte Musik, alles, was den Geist zum Schlechten beeinflussen konnte, war nicht mehr erwünscht. Sie wollten nicht in Versuchung geführt werden. Es war ein langer Kampf, bis die Befürworter dieses Systems eine neue friedlichere Zukunft errichten konnten. Es waren harte Regeln, aber ohne diese Opfer, war ein Leben in einem friedlichen Paradies nicht möglich. Das mussten auch damals die 40000 aufgetauten Menschen lernen. Aber das alles, war lange her. Die Schreckenszeiten erschienen den Menschen nur noch wie ein schlechtes Märchen, das nicht in ihren Märchenwäldern abgespielt werden durfte. Sie konnten kaum noch unterscheiden zwischen Märchen und Wirklichkeit. Alles war schon so lange her. Vielleicht hätte man die 40000 nie auftauen dürfen, um die Welt immer damit zu erschrecken. Langsam und vorsichtig erhob sich Peter und verließ das Zimmer seiner Tochter. Er war selbst ein Nachkomme eines dieser eingefrorenen Menschen. Sein Weg führte ihn ins oberste Zimmer der goldgelb gläsernen Pyramide. Er saß gerne hier. Auch er liebte den Blick hinaus in die wunderschönen Wälder, die vom Licht der Wohnpyramiden gelb erhellt wurden. Noch mehr liebte er den Blick hinauf zu den Sternen. Dort hin, wo die mächtigen Völker des Universums, ihr Zuhause hatten. Aber sie waren seit Hunderten von Jahren verborgen. Sogar die Sirianer meldeten sich nicht mehr. Nur noch die Togri und einige wenige andere Völker, die nicht weiter entwickelt waren als die Menschen, hielten noch Verbindung zur Erde. Aber auch die Togri wussten nicht, warum die mächtigen Völker sich nicht meldeten. Sie hatten sich noch mehr gewundert, denn auf ihrem Planet lebte das mächtige Shambhala-Volk, das eines Tages verschwand. Peter suchte sein ganzes Leben nach der Wahrheit. Vielleicht lebten diese Völker in einer Welt, die mit nichts zu vergleichen ist, was die Menschen je glücklich machte. War die Märchenwelt der Menschen nur kindische Spielerei, die sie in ihrer geistigen Entwicklung nicht weiter brachte? Eigentlich wünschte er sich, dass alles so bleibt, wie bisher. Denn zu mehr waren die Menschen derzeit nicht fähig. Nur wer einmal im Kerker saß, weiß die Freiheit zu schätzen. Die Menschen hatten diese Weisheit offenbar vergessen. Viele weise Menschen hatten im Laufe der Zeit weise Worte hinterlassen. Diese Weisheiten hatte man in den letzten Jahrhunderten genau studiert. Man wollte so werden wie die größten Dichter und Denker, die diese Zitate hinterließen. Solche weisen Zitate waren den Menschen kostbar geworden. Doch mittlerweile waren andere Dinge kostbarer. Es war wie im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert; als die Menschen, langsam aber sicher, an immer schrecklichere Ereignisse gewöhnt wurden. Das beeinflusste auch die Entwicklung ihrer Kinder, die nicht die Zeit hatten, sich langsam daran zu gewöhnen. Und so wurde die Welt damals immer schlimmer. Aber auch damals gab es Menschen, die diese Zeichen der Zeit erkannten. Peter hoffte für seine Tochter und deren Generation, dass es solche Menschen auch jetzt noch gibt.