Humoresken von Karl May

Sonnenschein und Heiterkeit vom Osten kommend

RSSHumoresken von Karl May Humoresken von Karl MayCover: Humoresken von Karl May

Deutsch

Über dieses Buch: Karl May, besser bekannt durch Winnetou und Old Shatterhand, hat sehr viele Anektoten geschrieben, Ereignisse festgehalten, speziel vom alten Dessauer und seiner Zeit,den Husaren und dem normalen Bürger mit seinen Alltagssorgen und Problemen.. Diese Auswahl, die ich humoristisch sehr hochstehend ansehe, laesst uns tief in das damalige Leben eintauchen und auch herzhaft schmunzeln und lachen . Tags: My fairy talesGrimmViernesZwergnaseSabadoAndersenEL FLAUTISTA DE HAMELINEl gran libro de cuento de hadas7,98 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

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  • »Heinz!« unterbrach ihn der Prinz. »Was denn, Dorchlaucht?« »Koste noch einmal!« Heinrich that es und legte sein Gesicht wieder in die vorige, nachdenkliche Miene. »Nun?« »Ja, nun! Es bleibt Milch, Dorchlaucht!« »Heinz, Du bist ein Esel!« »Sapperlot, Dorchlaucht, das leide ich wirklich nicht, daher ich vierzig Jahre treu und ehrlich bei Ihnen gedient habe und Sie mir dem entgegen stets auch ein guter Herr gewesen sind. Aus demselben Grunde haben wir manches schlimme Abenteuer erlebt, daher wir einander in allen Gefahren beistanden, was ich Ihnen vorhin auch beweisen wollte, als wir bei der jungen Wittfrau im Quartiere lagen. Obwohl sie nämlich ganz verteufelt hübsch war, hatte sie außerdem ein Auge auf mich geworfen, und ich stand eines Tages an der Hausthür. Ich putzte nämlich mein Lederzeug, und da kam plötzlich ein – – –« »Heinz!« »Was denn, Dorchlaucht?« »Koste nun noch einmal!« »Ja, Dorchlaucht, es ist ja nichts mehr drin!« »So rufe die Jungfer!« »Welche denn? Die Jungfer Adelinchen?« »Heinz, Du bist wahrhaftig ein Esel!« »Sapperlot, Dorchlaucht, das leide – –« »Sei ruhig! Haben wir etwa in unsrer armseligen Junggesellenwirthschaft eine andre Jungfer als unsre alte Wimmerliese? Sie soll sofort kommen! Kehrt! Marsch!« Der alte Stelzfuß machte seine Tempo's grad so präzis, als befinde er sich auf dem Exerzierplatze, und marschierte in strammer Haltung zur Thür hinaus. Er wußte, wenn der Oberst »Kehrt! Marsch!« sagte, so war nicht weiter mit ihm zu verkehren. Einige Augenblicke später schob er die dicke Wirthschafterin zur Thür herein und streckte sich hinter ihr in eine Stellung, als habe er den gefährlichsten Deliquenten zu bewachen. »Komme Sie näher!« herrschte ihr der Prinz entgegen. Sie folgte dem Befehle. Es war ihr auf dem ersten Blicke anzusehen, daß sie sich irgend einer Schuld bewußt sei. »Was hat Sie mir denn eigentlich für Zeug hier in den Topf gegossen?« »Es war Milch, gnädigster Herr Oberst!« Durch die Erinnerung an seinen militärischen Grad gelang es zuweilen, den zornmüthigen Herrn zu besänftigen; jetzt aber erwies sich diese Tactik als vollständig erfolglos. »Das weiß ich! Aber was für Milch?« »Es war ausnahmsweise heut einmal welche von der Kuh.« »Von der Kuh? Ist Sie gescheidt? Oder hat Sie etwa vergessen, daß ich mir Ihre Kuh ein für allemal verbeten habe, weil ich nichts als Ziegenmilch trinken darf. Warum hat Sie mir keine solche gebracht?« »Die Ziege giebt nichts mehr, Herr Oberst!« »Giebt nichts mehr? Warum denn, wenn ich fragen darf!« »Weil – weil – weil –« »Nun, weil –? Heraus damit! Giebt sie vielleicht jetzt plötzlich Himbeerlimonade anstatt der Milch?« »Nein, Herr Oberst; aber die Ziege, die – die hat sich aufgehängt.« Endlich war es heraus, was ihr so fürchterliche Angst gemacht hatte; aber die Folge war auch keine sonderlich angenehme, denn der Prinz trat erstaunt einen Schritt zurück und donnerte dann: »Was? Aufgehängt hat sich meine Ziege? Meine kostbare Angoraziege, die ich mir extra aus dem zoologischen Garten verschrieben habe? Die hat doch nicht an Weltschmerz gelitten, wie das Jungfer Adelinchen, oder an einer unglücklichen Schuster- oder Schneiderliebe