Nils Holgerson - 2

Selma Lagerlöf

RSSNils Holgerson - 2 Nils Holgerson - 2  Cover: Nils Holgerson - 2

Deutsch368 Seiten

Mit Nils Holgerson schuf Selma Lagerlöf eines der schönsten Märchen der Welt. Sie schildert, wie der böse und respektlose Nils von einem Wichtel in einen noch viel kleineren Zwerg verwandelt wird und seine Rettung vor der Katze bei den Wildgänsen sucht; und schon beginnt eine traumhafte, wundervolle Reise bis nach Lappland. Im Herbst kommt ein total geänderter Junge nach Hause, nicht nur eine wunderbare Geschichte für gross und klein, ein muss von hohem erzieherischem Wert fuer jedes Kinderzimmer. Tags: Selma LagerlöfSabadoAndersenEL FLAUTISTA DE HAMELINEl gran libro de cuento de hadasSelma LagerlöfEl pais maravillose de 1001 nocheDrosselbartOur Lady´s ChildFrau HolleUna vez en un tiempo3,98 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

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  • Hoch droben in der Luft flog der Junge dahin. Er hatte die große Ostgötaebene unter sich, und im Vorüberfliegen zählte er die vielen weißen Kirchen, die zwischen den kleinen Baumgruppen aufragten. Und es dauerte nicht lange, da war er schon bei der Zahl fünfzehn angekommen. Aber dann kam er draus, und er konnte die richtige Reihenzahl nicht mehr einhalten. Die meisten Höfe hatten große weißangestrichene zweistöckige Häuser, die sehr stattlich aussahen, und der Junge verwunderte sich sehr darüber. „Hierzulande gibt es, wie es scheint, keine Bauern,“ sagte er vor sich hin. „Ich sehe ja lauter Herrenhöfe.“ Doch da riefen die Wildgänse sogleich: „Hier wohnen die Bauern wie Herrenleute! Hier wohnen die Bauern wie Herrenleute!“ Auf der Ebene drunten waren Eis und Schnee verschwunden, und die Frühlingsarbeiten hatten begonnen. „Was sind das für lange Krebse, die über die Äcker hinkriechen?“ fragte der Junge nach einer Weile. „Pflüge und Ochsen! Pflüge und Ochsen!“ antworteten alle Wildgänse zugleich. Die Ochsen kamen auf den Äckern so langsam vorwärts, daß man gar nicht merkte, wie sie sich bewegten, und die Gänse riefen ihnen zu: „Ihr kommt erst im nächsten Jahr an Ort und Stelle! Ihr kommt erst im nächsten Jahr an Ort und Stelle!“ Aber die Ochsen blieben die Antwort nicht schuldig. Sie taten das Maul auf und brüllten: „Wir schaffen in einer Stunde mehr Nutzen, als solche Landstreicher wie ihr in eurem ganzen Leben!“ An einigen Orten wurden die Pflüge von Pferden gezogen, und diese zogen mit viel größerem Eifer als die Ochsen. „Schämt ihr euch nicht, Ochsenarbeit zu tun?“ riefen die Gänse den Pferden zu. „Schämt ihr euch nicht, Ochsenarbeit zu tun?“ „Schämt ihr euch nicht selbst, die Faulenzer zu spielen?“ wieherten die Pferde zurück. Während Pferde und Ochsen bei der Arbeit draußen waren, lief der Stallhammel auf dem Hofe umher. Er war frisch geschoren und machte allerlei Bocksprünge, warf die kleinen Jungen um, trieb den Kettenhund in seine Hütte hinein und stolzierte dann umher, als sei er allein Herr auf dem Hofe. „Hammel, Hammel, was hast du mit deiner Wolle getan?“ fragten die Wildgänse, die über ihn hinflogen. „Die hab ich in die Fabriken von Norrköping geschickt!“ antwortete der Hammel mit einem langen Meckern. „Hammel, Hammel, was hast du mit deinen Hörnern gemacht?“ fragten die Gänse. Aber Hörner hatte der Hammel zu seinem großen Kummer nie gehabt, und man konnte ihn nicht mehr kränken, als wenn man ihn darnach fragte. Lange sprang er wild umher und stieß mit dem Kopfe, so zornig war er. Auf der Landstraße trieb ein Mann aus Schonen eine Herde Ferkel vor sich her, die erst ein paar Wochen alt waren und weiter oben im Lande verkauft werden sollten. Die Ferkel trotteten tapfer voran, ob sie auch noch so klein waren, und hielten sich dicht zusammen, wie um beieinander Schutz zu suchen. „Nöff, nöff, nöff, wir sind zu zeitig von Vater und Mutter weggekommen! Nöff, nöff, nöff, wie soll es uns armen Kindern gehen?“ grunzten die Ferkelchen. Nicht einmal die Wildgänse hatten das Herz, solche arme Tröpfchen zu necken. „Es wird euch besser gehen, als ihr denkt!“ riefen sie ihnen im Vorbeifliegen zu. Die Wildgänse waren nie so guter Laune, als wenn sie über ebenes Land hinflogen. Da beeilten sie sich durchaus nicht, sondern flogen von Hof zu Hof und trieben ihren Spaß mit den Haustieren. Während der Junge so über die Ebene hinritt, fiel ihm eine Sage ein, die er vor langer Zeit einmal gehört hatte. Er erinnerte sich ihrer nicht ganz genau, es handelte sich darin um einen Rock, dessen eine Hälfte aus goldglänzendem Samt, die andre aber aus grauem Drillich bestand. Aber der Besitzer des Rockes besetzte die Drillichseite mit so viel Perlen und Edelsteinen, daß sie schöner und köstlicher glänzte als der Goldstoff. An diese Drillichseite mußte der Junge denken, als er jetzt auf Ostgötland hinabschaute, denn es bestand aus einer großen Ebene, die im Norden und Süden von zwei bewaldeten Bergen eingeschlossen war. Die beiden Bergeshöhen lagen schimmernd blau und wie mit einem goldnen Schleier verhüllt im Morgenlicht da, und die Ebene, die nur einen winterlich kahlen Acker neben dem andern ausbreitete, machte an und für sich keinen schöneren Eindruck als grauer Drillich. Aber den Menschen war es gut gegangen auf dieser Ebene, weil sie freigebig und gütig ist, und deshalb hatten sie versucht, sie so schön als möglich herauszuputzen. Als der Junge hoch droben auf dem Gänserücken dahinritt, kamen ihm die Städte und Höfe, Kirchen und Fabriken, Schlösser und Bahnhöfe wie große und kleine Schmuckstücke vor, die darüber hingestreut waren. Die Ziegeldächer glänzten im Sonnenschein, und die Fensterscheiben funkelten wie Edelsteine. Gelbe Landstraßen, glänzende Eisenbahnschienen und blaue Kanäle liefen wie aus Seide gestickte Ranken zwischen den Ortschaften hin. Linköping lag um seine Domkirche herum wie die Perleneinfassung um einen kostbaren Stein, und die Höfe auf dem Lande waren wie Busennadeln und Knöpfe. Es war nicht viel Ordnung im Muster, aber es war eine Pracht, die zu sehen man nie müde wurde. Die Gänse hatten die Omberggegend verlassen und flogen jetzt in östlicher Richtung am Götakanal hin. Dieser war auch dabei, sich für den Sommer herzurichten. Arbeiter besserten die Kanalufer aus und strichen die großen Schleusentüren mit Teer an. Ja, überall auf dem Lande wurde gearbeitet, um den Frühling gut zu empfangen, und desgleichen auch in den Städten. Da standen Maler und Maurer auf den Gerüsten vor den Häusern und machten sie fein, die Dienstmädchen beugten sich zu den offnen Fenstern heraus und putzten die Scheiben. Drunten am Hafen wurden Segelboote und Dampfschiffe hergerichtet. Bei Norrköping verließen die Wildgänse die Ebene und flogen gen Kolmården, und eine Weile folgten sie einer alten, hügeligen Landstraße, die sich an Felsenschluchten und wilden Bergwänden hinzog. Da stieß der Junge plötzlich einen Schrei aus. Er hatte, während er da auf dem Gänserich durch die Luft ritt, mit dem einen Fuß geschaukelt und dabei einen Holzschuh verloren. „Gänserich! Gänserich!“ rief der Junge. „Ich habe meinen Holzschuh fallen lassen!“ Der Gänserich wendete sich um und ließ sich auf die Erde hinabfallen. Aber da sah der Junge, daß zwei Kinder, die auf dem Wege daherkamen, seinen Schuh aufgelesen hatten. „Gänserich! Gänserich!“ schrie der Junge schnell. „Flieg wieder hinauf! Es ist zu spät! Ich kann meinen Schuh nicht wieder erlangen!“ Aber drunten auf dem Wege stand das Gänsemädchen Åsa mit ihrem Bruder Klein-Mats, und sie betrachteten einen kleinen Holzschuh, der vom Himmel heruntergefallen war.

  • Der Rock aus Drillich und Samt 03
    Die Geschichte von Karr und Graufell 10
    Der schöne Garten 79
    In Närke 104
    Der Eisgang 137
    Die Teilung 1 45
    Im Bergwerksdistrikt 154
    Der Eisenhammer 164
    Der Dalalf 190
    Der Bruderteil 207
    Walpurgisnacht 238
    Vor den Kirchen 256
    Die Überschwemmung 262
    Die Sage von Uppland 284
    In Uppsala 288
    Daunenfein 319
    Stockholm 341
    Reiseroute 367