Josefine Mutzenbacher

Die Geschichte einer Wienerischen Dirne

RSS Josefine Mutzenbacher  Josefine MutzenbacherCover:  Josefine Mutzenbacher

Deutsch189 Seiten

Der Autor des Romans ist unbekannt, das Buch wird aber dem österreichischen Schriftsteller Felix Salten (Bambi) zugeschrieben. Es war der Satiriker Karl Kraus, der die provozierende Bemerkung zur Urheberschaft Felix Saltens in die Welt setzte, Salten selbst hat sich zu der Behauptung nie geäußert.
Ob Josefine Mutzenbacher fiktiv ist oder auf einem realen Vorbild beruht, ist umstritten. In einigen Buchausgaben wird gesagt, es habe eine reale Josefine Mutzenbacher gegeben, die in den 1850er Jahren in der Wiener Vorstadt Hernals geboren worden sei und es zu Wohlstand gebracht habe; genauere Quellen werden aber nicht genannt.
(Wikipedia)ISBN: 9783955012830Verlag: andersseitig.deTags: Peperl Wien Erotik Dirne Hure Strich Mutzenbacher andersseitig.de2,99 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

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  • Man sagt, dass aus jungen Huren alte Bet­schwestern werden. Aber das trifft bei mir nicht zu. Ich bin frühzeitig zur Hure geworden, ich habe al­les erlebt, was ein Weib im Bett, auf Tischen, Stühlen, Bänken, an kahle Mauerecken gelehnt, im Grase liegend, im Winkel dunkler Haustore, in Chambre separees, im Eisenbahnzug, in der Kaser­ne, im Bordell und im Gefängnis überhaupt nur er­leben kann, aber ich bereue nichts von alledem. Ich bin heute bei Jahren, die Genüsse, die mein Geschlecht mir bieten kann, sind im Entschwinden begriffen, ich bin reich, bin verblüht und sehr oft ganz vereinsamt. Aber es fällt mir nicht ein, ob­gleich ich immer fromm und gläubig gewesen bin, jetzt Buße zu tun. Aus Armut und Elend, wie ich entstammt bin, habe ich alles meinem Körper zu erdanken. Ohne diesen gierigen, zu jeder Sinnen­lust frühzeitig entzündeten, in jedem Laster von Kindheit auf geübten Körper wäre ich verkommen, ich meine Gespielinnen, die im Findelhaus starben oder als abgerackerte, stumpfsinnige Proletarier­trauen zu Grunde gingen. Ich bin nicht im Dreck der Vororte erstickt. Ich habe mir eine schöne Bil­dung erworben, die ich nur einzig und allein der Hurerei verdanke, denn diese war es, die mich in Verkehr mit vornehmen und gelehrten Männern brachte. Ich habe mich aufklären lassen und gefun­den, dass wir armen, niedrig geborenen Weiber nicht so viel Schuld haben, als man uns einreden möchte. Ich habe die Welt gesehen und meinen Gesichtskreis erweitert, und alles das verdanke ich meinem Lebenswandel, den man einen „lasterhaf­ten" nennt. Wenn ich meine Schicksale jetzt auf­schreibe, so tue ich das nur, die Stunden meiner Einsamkeit damit zu kürzen, und was mir jetzt ab­geht, aus der Erinnerung wenigstens herbeizu­schaffen. Ich halte das für besser als bußfertige Erbauungsstunden, die meinem Pfarrer wohl gefie­len, die mir aber nicht zu Herzen gingen und mir nur eine grenzenlose Langeweile bereiten würden. Auch finde ich, dass der Lebensgang von Meines­gleichen nirgends aufgeschrieben steht. Die Bü­cher, die ich danach durchsucht habe, erzählen nichts davon, und es wäre vielleicht doch gut, wenn die vornehmen und reichen Herren, die sich an uns ergötzen, die uns locken und sich von uns alle un­möglichen Dinge aufbinden lassen, einmal erfah­ren würden, wie es in einem jener Mädchen aus­sieht, die sie so brünstig in ihre Arme schließen, woher es stammt, was es erlebt hat und was es denkt. Mein Vater war ein blutarmer Sattlergehilfe, der in einem Geschäft in der Josefstadt arbeitete. Wir wohnten ganz weit draußen in Ottakring, in einem damals neuen Hause, einer Zinskaserne, die von oben bis unten mit armen Leuten angefüllt war. Alle diese Leute hatten viele Kinder, und im Sommer war der Hof zu klein für ihre Schar. Ich selbst besaß zwei Brüder, die beide um wenige Jahre älter waren als ich. Mein Vater, meine Mutter, wir drei Kinder wohnten in einer Küche und einem Zimmer und hatten noch einen Bettgeher mit dazu. Solche Bettgeher waren der Reihe nach wohl ein halbes hundert bei uns; sie kamen und gingen, bald friedlich, bald in Streit, und die meisten von ihnen verschwanden spurlos, ohne dass wir jemals wieder etwas von ihnen hörten. Ich erinnere mich haupt­sächlich an zwei von ihnen. Der eine war ein Schlossergeselle, ein schwarzer, traurig aussehen­der Bursche, der ganz kleine schwarze Augen hatte und immer voll Ruß im Gesicht war. Wir Kinder fürchteten uns vor ihm. Er war auch immer schweigsam und sprach kein Wort. Ich entsinne mich, dass er eines Nachmittags nach Hause kam, während ich allein in der Wohnung mich befand. Ich war damals fünf Jahre alt und spielte am Boden des Zimmers. Meine Mutter war mit den beiden Buben am Fürstenfeld, mein Vater von der Arbeit noch nicht zurück. Der Schlosser nahm mich vom Boden auf und hielt mich auf seinem Schoß. Ich wollte schreien, aber er sagte leise: „Sei stad, ich tu' dir nix!" Und dann legte er mich zurück, hob mein Röckchen auf und betrachtete mich, wie ich nackt vor ihm auf seinen Knien lag. Ich fürchtete mich sehr vor ihm, aber ich verhielt mich ganz still. Wie er meine Mutter kommen hörte, setzte er mich rasch auf den Fußboden und ging in die Küche. Ein paar Tage später kam er wieder frühzeitig nach Hause, und die Mutter ersuchte ihn, auf mich auf­zupassen. Er versprach es und hielt mich wieder die ganze Zeit auf seinen Knien, in Betrachtung meines nackten Mittelstückes begriffen. Er sprach kein Wort, sondern schaute nur immer auf die eine Stelle hin, und ich traute mich auch nicht, etwas zu reden. Das wiederholte sich, solange er bei uns wohnte, einige Male. Ich begriff nichts davon und machte mir auch, nach Kinderart, keine Gedanken darüber. Heute weiß ich, was das bedeutet hat, und nenne den Schlossergesellen oft meinen ersten Geliebten.

    Meine beiden Brüder Franz und Lorenz waren sehr ungleich. Lorenz, der ältere, er war um vier Jahre älter als ich, war immer sehr verschlossen, in sich gekehrt, fleißig und heilig. Franz, der nur an¬derthalb Jahre mehr zählte als ich, war dagegen lu¬stig, und er hielt sich auch viel mehr zu mir als zum Lorenz. Ungefähr sieben Jahre war ich alt gewor¬den, als ich eines Nachmittags mit Franz zu Nachbarskindern auf Besuch ging. Es war auch ein Bruder und eine Schwester, und diese Kinder wa¬ren immer allein, weil sie keine Mutter hatten und ihr Vater in die Arbeit gehen musste. Die Anna war damals schon neun Jahre alt, ein blasses, mageres, weißblondes Mädchen mit einer gespaltenen Lip¬pe. Und ihr Bruder Ferdl, ein dreizehnjähriger, robuster Bub, auch ganz weißblond, aber rotwangig und breitschultrig. Wir spielten zuerst ganz harm¬los. Da sagte die Anna auf einmal: „Spiel'n wir doch Vater und Mutter." Ihr Bruder lachte und sag¬te: „Die will immer nur Vater und Mutter spielen." Aber Anna bestand darauf, trat zu meinem Bruder Franz und meinte: „Also du bist der Mann, und ich bin die Frau." Und Ferdl war gleich bei mir, fasste mich am Arm und erklärte: „Da bin dann halt ich dein Mann und du meine Frau." Sofort nahm Anna zwei Polsterüberzüge, machte zwei Wickelkinder daraus und gab mir eines. „Da hast dazu ein Kind", meinte sie. Ich begann, die Lappendocke gleich zu wiegen, aber Anna und Ferdl lachten mich aus. „So geht das nicht. Z'erst muss man das Kind machen, dann muss man in der Hoffnung sein, dann muss man es kriegen, und dann erst kann man's hutschen!" Ich hatte natürlich schon manchmal davon reden gehört, dass Frauen „in der Hoffnung" sind, dass sie ein Kind kriegen werden. An den Storch glaubte ich auch nicht mehr so recht, und wenn ich Frauen mit einem großen Bauch sah, wusste ich un¬gefähr, was das bedeutet. Aber genauere Vor¬stellungen davon hatte ich bisher nicht gehabt. Auch mein Bruder Franz nicht. Wir standen des¬halb gänzlich verdutzt und ratlos da und wussten nicht, wie wir dieses Spiel werden versuchen oder uns daran beteiligen können. Aber Anna war schon zu Franz getreten und griff nach seinem Hosentürl. „Komm nur!', sagte sie, „tu ihn heraus, dein' Zipfel!" Und'dabei hatte sie ihm die Hose auch gleich aufgeknöpft und seinen „Zipfel" zum Vorschein gebracht. Ferdl und ich sahen zu. Ferdl lachend. Ich mit einem Gefühl, das aus Neugierde. Staunen, Entsetzen und noch einer besonderen, mir bisher fremden Erregung gemischt war. Franz stand ganz bewegungslos da und wusste nicht, wie l ihm geschah. Unter Annas Berührung richtete sich j sein „Zipfel" ganz steif in die Höhe. „Jetzt komm", hörte ich Anna leise flüstern. Ich sah, wie sie sich auf den Boden warf, ihre Röcke hob und die Beine spreizte. In diesem Moment ergriff mich Ferdl. „Leg dich nieder", zischelte er mir zu, und dabei spürte ich auch schon seine Hand zwischen meinen Beinen. Ganz willig legte ich mich auf den Boden, hatte meine Röcke aufgeschlagen, und Ferdl rieb sein steifes Glied an meiner Fut. Ich musste lachen, denn sein Schwanz kitzelte mich nicht wenig, weil er mir auch auf dem Bauch und sonst überall her¬umfuhr. Er keuchte dabei und lag schwer auf mei¬ner Brust. Mir kam das ganze unsinnig und lächer¬lich vor, nur eine kleine Aufregung war in mir, und nur dieser allein ist es wohl zuzuschreiben, dass ich liegen blieb, ja sogar ernsthaft wurde. Ferdl wurde plötzlich ruhig und sprang auf. Ich erhob mich gleichfalls, und er zeigte mir jetzt seinen „Zipfl", den ich ruhig in die Hand nahm. Ein kleiner heller Tropfen war auf der Spitze zu sehen. Dann zog Ferdl die Vorhaut zurück, und ich sah die Eichel zum Vorschein kommen. Ich schob nun die Vorhaut ein paar Mal hin und her, spielte damit und freute mich, wenn die Eichel wie der rosige Kopf eines kleinen Tieres hervorspitzte. Anna und mein Bruder lagen noch auf dem Boden, und ich sah, wie Franz ganz aufgeregt hin und her wetzte. Er hatte rote Wangen und keuchte, ganz wie Ferdl vorhin. Aber auch Anna war ganz verändert. Ihr bleiches Gesicht hatte sich gefärbt, ihre Augen waren ge¬schlossen, und ich glaubte, ihr sei schlecht gewor¬den. Dann wurden die beiden auch plötzlich still, lagen ein paar Sekunden aufeinander und standen dann auf. Wir saßen eine Weile zusammen. Ferdl hielt mich unter den Röcken mit der Hand an der Mitte, Franz tat dasselbe mit Anna. Ich hatte Ferdls Schwanz in der Hand, Anna den meines Bruders; und es war mir ganz angenehm, wie Ferdl bei mir herumfingerte. Es kitzelte mich, aber nicht mehr so. dass ich lachen musste, sondern so, dass nur ein Wohlgefühl durch den ganzen Körper ging. Diese Beschäftigung wurde von Anna unterbrochen, die jetzt die beiden Puppen nahm, von denen sie die ei¬ne sich selbst unter das Kleid auf den Bauch legte, die andere mir. „So", sagte sie. „Jetzt sind wir in der Hoffnung." Wir zwei gingen nun im Zimmer her¬um, streckten unsere ausgestopften Bäuche heraus und lachten darüber. Dann brachten wir unsere Kinder zur Welt, wiegten sie in den Armen, gaben sie unseren Ehemännern, damit sie sie halten und bewundern sollten, und spielten eine Weile wie un¬schuldige Kinder. Anna kam auf die Idee, dass sie ihr Kind säugen müsse. Sie knöpfte ihre Jacke auf, zog das Hemd herab und tat so, als ob sie einem Kind die Brust reichen würde. Ich bemerkte, dass sie schon leise anschwellende Warzen hatte; und ihr Bruder trat hinzu und spielte damit; auch Franz machte sich bald an Annas Brust zu schaffen, und Ferdl meinte, es sei schade, dass ich keine Dutln ha¬be. Dann kam eine Erklärung vom Kindermachen. Wir erfuhren, dass das, was wir eben getan hatten, vögeln heiße, dass unsere Eltern dasselbe tun, wenn sie miteinander im Bett liegen, und dass die Frauen davon die Kinder bekämen. Ferdl war schon ein Ausgelernter. Er sagte uns Mädchen, dass unsere Fut noch zugewachsen sei, dass man deshalb nur von außen daran herumwetzen könne. Er sagte fer¬ner, dass wir einmal, wenn wir größer werden, Haare darauf bekommen, dass dann unser Loch sich öffnen wird, und dass man dann mit dem ganzen Schwanz hineinfahren können wird. Ich wollte es nicht glauben, aber Anna erklärte mir, Ferdl wisse das ganz genau. Er habe auf dem Boden die Frau Reinthaler gevögelt, und da sei sein Schwanz ganz in ihr Loch hineingegangen. Die Frau Reinthaler war die Frau eines Tramwaykondukteurs, der in un¬serem Haus im letzten Stock wohnte. Es war eine dicke, schwarze Frau, klein und hübsch und immer sehr freundlich. Ferdl erzählte uns die Geschichte: „Die Frau Reinthaler ist vom Waschen 'kommen. Ein' ganzen Korb voller Wasch' hats 'tragen, und ich bin g'rad auf der Stieg'n g'wesen. Na, und wie ichs grüßt hab', sagt sie zu mir: ,Geh Ferdl, bist ein starker Bub, könntst mir wirklich helfen, den schweren Korb am Boden tragen.' So bin ich halt mit ihr auffi gangen, und wie wir droben sein, fragt sie mich: ,Was willst denn jetzt dafür, dass du mir g'holfen hast?' - Nix, sag ich drauf. ,Komm, ich zeig dir was', sagt sie, packt mich bei der Hand und legt sichs auf die Brust. ,Gelt ja, das ist gut?' Da hab ich schon g'wusst, was los ist, denn mit der Anna hab ich ja schon oft früher gewetzt - was?" -Anna nickte bekräftigend, als ob sich das alles ganz von selbst verstünde, Ferdl fuhr fort: „Aber ich hab mich doch nicht getraut und hab nur ihre Brust fest z'sammendruckt. Sie hat sich gleich ihr Leibl aufg'macht, und hat mirs aiser nackter herausge¬ben, und hat mich spielen lassen, und dann hat's mich bei der Nudel packt, und hat alleweil gelacht, und hat g'sagt: ,Wenn's d' niemanden was ausplau¬schen möchst, derfest noch was andres tun...' - ,lch red' nix', hab ich drauf g'sagt, - ,g'wiss nix?' fragt sie noch amal. ,Nein, g'wiss nix.' Na, da hat sie sich übern Wäschkorb g'legt und hat mich auf sich g'nommen, und hat mir den Schwanz mit der Hand hineingesteckt in ihre Fut. Ganz drin war er, ich habs ganz genau g'spürt. Und die Haar, was sie drauf hat, hab ich auch g'spürt."