Vom glückseligen Leben

Band 61 der philosophischen Reihe

RSSVom glückseligen Leben Vom glückseligen Leben Cover: Vom glückseligen Leben

DeutschErschienen: 2018

Vom glückseligen Leben (De vita beata) ist eine Schrift im Umfang eines antiken Buches aus den Dialogen des römischen Philosophen und Staatsmannes Seneca, die sich mit Reichtum und dem rechten Umgang damit beschäftigt. Es ist als das siebte Buch aus Senecas Dialogi bekannt. Dieser Titel, der später von Quintilian erwähnt wurde und steht in Spannung zum Ursprung der Sammlung, da Seneca seine kurzen briefartigen Schriften als „Gespräche“ bezeichnet. In dieser Schrift, die wohl Anfang des Jahres 58 oder ein wenig früher verfasst worden ist, legt Seneca seinem Bruder Gallio und dem Leser die stoische Ansicht in Bezug auf Vermögen, Reichtum und den rechten Umgang damit nahe. Das Ende der Schrift ist verloren, das Überlieferte verdanken wir einem Mailänder Codex, dem Codex Ambrosianus, aus dem 11. Jahrhundert und den Abschriften, denen dieser Codex als Archetyp dient. Die Überschrift de vita beata ist wohl von Seneca selbst gewählt worden. Es geht vornehmlich um den rechten Umgang mit Reichtum und die Darlegung einer tugendhaften Lebensführung, mit deren Hilfe man erst zu Glück im Leben gelangt. Die Tugend sei der Weg zur Glückseligkeit.
Die ersten 16 Kapitel sind also eine Umschau auf das Thema, wobei sich Seneca klar auf die Seite der Stoa schlägt. Besonders im Brennpunkt steht als Gegenpunkt der Kepos Epikurs, wobei darauf aufmerksam gemacht wird, dass viele diese Lehre als Vorwand nutzen, um sich der Hemmungslosigkeit hinzugeben. Das Ergebnis ist, dass wahre Glückseligkeit nur in der Tugend zu finden ist: Ergo in virtute posita est vera felicitas. Bei Interpreten führte vor allem der zweite Abschnitt ab Kapitel 17 zu der Vermutung, Seneca habe diese Schrift als Apologie verfasst, da er lange Zeit als Erzieher Neros Lenker und Mitbestimmer des römischen Weltreichs war und somit einer der reichsten Männer der Welt. Als solcher lebe er nicht nach den Vorsätzen, die er selbst aufgestellt habe. Unter anderem machte ihm der Konsul Publius Suillius Rufus diesen Vorwurf, den Seneca vor Gericht stellen ließ und der die Gerichtsverhandlung gegen sich nutzen wollte, um Seneca selbst an den Pranger zu stellen. In diesen Kapiteln wäscht sich Seneca von allen Vorwürfen zwar bewusst nicht völlig rein, er entkräftet aber die Argumente seiner Gegner dadurch, dass er angibt, noch nicht das zu leben, was er schreibt, sondern, dass das, was er schreibt, ein Idealbild ist, dem er sich annähern, das er aber nie erreichen könne. Allerdings macht allein die Bemühung um Erfüllung dieses Topos ihn zu einem besseren Menschen, als seine Schmäher es sind. Anhand der Tatsache, dass Seneca darauf pocht, dass allein schon die Bemühung, die dogmatisch-unerfüllbare Zielsetzung der Stoa zu erfüllen, einen vir bonus auszeichne, zeigt schon darauf, dass Seneca als Moralist und Ethiker die starre Auffassung der Philosophenschule aus praktischen Gründen aufweicht, weil sie im wahren Leben praktisch nicht umzusetzen sind. Senecas Aussagen müssen, wie man ab Kapitel 17 beobachten kann, sehr mit Vorsicht genossen werden. Denn im Prinzip antwortet er auf die Vorwürfe, die in ihrer Natur vornehmlich ad hominem und tu quoque sind, auf gleiche Art, indem er selbst die Argumentation der Angreifer verwendet.
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