Glanz und Elend der Kurtisanen

Illustrierte Erotik

RSSGlanz und Elend der Kurtisanen Glanz und Elend der Kurtisanen Cover: Glanz und Elend der Kurtisanen

DeutschErschienen: 2016

Nachdem der undurchsichtige Abbé Carlos Herrera, der in Wahrheit der entlaufene Sträfling Vautrin alias Collin ist, den jungen Dichter Lucien de Rubempré vor dem Selbstmord gerettet hat (damit endete Verlorene Illusionen), kehrt dieser 1824 in das gesellschaftliche Leben von Paris zurück. Von Herrera/Vautrin/Collin protegiert gilt er als geheimer Mitarbeiter verschiedener Politiker und wird Liebhaber von Damen der Gesellschaft wie der Herzogin de Maufrigneuse und Madame de Sérizy. Lucien ist aber heimlich mit der Kurtisane Esther liiert, die Collin vorübergehend in einem Kloster hatte erziehen lassen. Sie ist dadurch geläutert und lebt jetzt nur noch für ihre Liebe zu Lucien. Collin arbeitet weiter am Aufstieg Luciens in der guten Gesellschaft und stattet ihn dafür großzügig mit finanziellen Mitteln aus; Lucien soll stellvertretend gesellschaftliche Stellung und Anerkennung erreichen, was Collin als Geächtetem verwehrt ist (in Vater Goriot näherte sich Collin bereits Eugène de Rastignac mit einem ähnlichen Ansinnen, wurde aber von diesem zurückgewiesen). Lucien hat um das Jahr 1829 die Aussicht, die vermögende, aber hässliche Clotilde de Grandlieu zu heiraten, muss aber als Voraussetzung selbst ein Vermögen vorweisen. Das übersteigt jedoch selbst die Möglichkeiten Collins.
Als bei einer nächtlichen Spazierfahrt der Bankier Nucingen Esther zufällig sieht und sich prompt in sie verliebt, sieht Collin seine Chance gekommen: Er drängt Esther, auf das Werben Nucingens einzugehen – sich also trotz, aber auch wegen der Liebe zu Lucien wieder als Kurtisane zu betätigen – und den Bankier solange auszunehmen, bis Lucien das für seine Heirat mit Clotilde nötige Vermögen beisammen hat. Nach der Einweihung eines verschwenderisch ausgestatteten Palais, das Nucingen für Esther gekauft hat, begeht diese, innerlich gebrochen, Selbstmord. Sie erfährt nicht mehr, dass sie die Alleinerbin des Wucherers Gobseck ist, der ihr ein Millionenvermögen hinterlassen hat, das alle Probleme Luciens hätte lösen können.
Unterdessen sind die Polizeispitzel Corentin und Peyrade, die Nucingen beauftragt hatte, Esther ausfindig zu machen, auf die Spur Collins gekommen. Durch Esthers Tod sieht sich Nucingen geprellt, umso mehr als zwei Hausangestellte mit Wertpapieren, die er Esther übergeben hatte, verschwinden. Alles spricht gegen Collin und Lucien, die beide verhaftet werden.
Im Polizeiverhör kann Collin die Beamten täuschen und seine Identität verbergen. Dem Untersuchungsrichter Camusot gelingt es jedoch in kürzester Zeit, Lucien das Geheimnis zu entlocken. Lucien erkennt jetzt, dass er, auch wenn sich seine Unschuld bei Diebstahl der Wertpapiere herausstellt, als Komplize eines gesuchten Kriminellen gesellschaftlich erledigt ist. Vor allem aber hat er mit Collin nun auch den letzten Menschen, der immer treu zu ihn gestanden ist, aus Dummheit und Eigensucht verraten, nachdem er zuvor schon seine Freunde enttäuscht und seine Verwandten betrogen hat. Collin, der weiß, wie labil Lucien ist, versucht zwar noch aus dem Gefängnis heraus, die Diane de Maufrigneuse und Madame de Sérizy für Luciens Rettung zu mobilisieren, aber die Damen kommen zu spät: Lucien hat sich in seiner Zelle erhängt. Die Nachricht von Luciens Tod lässt Collin zusammenbrechen: Er will nun seinen jahrzehntelangen Kampf gegen Justiz und Gesellschaft beenden, und seine Fähigkeiten in den Dienst der Gegenseite stellen. Als Hebel dazu dienen ihm kompromittierende Briefe der Herzogin de Maufrigneuse, von Madame de Sérizy und von Clotilde de Grandlieu an Lucien, die er in einem sicheren Versteck aufbewahrt, und die bei einer Veröffentlichung eine Staatsaffäre auslösen könnten. Generalstaatsanwalt Granville erkennt, dass ihm Collins Vorschlag in dieser Situation Vorteile bringt, und so wird Collin tatsächlich (ähnlich seinem realen Vorbild Vidocq) Nachfolger des korrupten Polizeichefs Bibi-Lupin. "Nachdem Jaques Collin seine Funktionen etwa fünfzehn Jahre lang ausgeübt hatte, trat er gegen 1845 in den Ruhestand."
Wie Illusions perdues zählt Glanz und Elend der Kurtisanen zu den Kernstücken der Comédie Humaine. "In keinem anderen Werk Balzacs ist der Querschnitt durch die zeitgenössische Gesellschaft so breit angelegt, in keinem wird der plötzliche Umschlag von Glück in Verzweiflung, auf den die Überschriften verweisen, an so vielen Schicksalen dargestellt … Der Bogen der dargestellten Gesellschaftsgruppen spannt sich vom Pariser Hochadel bis zur Unterwelt …und die meisterhafte Balzac’sche Erzählkunst. Illustriert von Alfred Haslinger
Verlag: Brokatbook Verlag Gunter Pirntke3,99 € inkl. gesetzl. MwSt. / ohne DRM

  • Bücherliste
  • Leseprobe
  • Inhaltsverzeichnis
  • Von Aufregung zu Aufregung, von zehntausend zu zehntausend Franken war schließlich der Bankier so weit gekommen, daß er Frau von Saint-Estève sechzigtausend Franken bot; sie aber erwiderte mit einer Grimasse des Neins, die einen Makako zur Verzweiflung getrieben hätte. Nachdem er erkannt hatte, wie Esther ihm die Gedanken verwirrte, nachdem er unerwartete Verdienste an der Börse hatte einstreichen können, kam er eines Morgens nach einer aufgeregten Nacht endlich in der Absicht, die hunderttausend Franken, die Asien verlangte, herzugeben, aber er wollte ihr eine Fülle von Auskünften entlocken.
    »Du entschließt dich also, dicker Possenreißer?« sagte Asien, indem sie ihm auf die Schulter klopfte.
    Die entehrendste Vertraulichkeit ist der erste Zoll, den solche Frauen von wahnsinnigen Leidenschaften oder von dem Elend, das sich ihnen anvertraut, fordern; sie erheben sich nie zur Höhe des Klienten, sie nötigen ihn, sich Seite an Seite neben sie auf den Kothaufen zu setzen. Asien gehorchte ihrem Herrn ausgezeichnet, wie man sieht.
    »Ich muß fohl,« sagte Nucingen. »Und du wirst nicht bestohlen,« erwiderte Asien. »Man hat Frauen schon verhältnismäßig teurer verkauft, als du die da bezahlen sollst! De Marsay hat für die verstorbene Coralie sechzigtausend Franken gegeben. Die, die du willst, hat aus erster Hand hunderttausend gekostet; aber für dich, siehst du, alter Wüstling, ist es eine Anstandssache.« »Und wo ist sie?« »Ah! du wirst sie sehen. Ich bin, wie du bist: bar, bar! ... Ach ja, mein Lieber, ›deine Leidenschaft‹ hat Dummheiten gemacht. Junge Mädchen ... das ist unvernünftig. Die Prinzessin ist augenblicklich eine Nachtschöne ...« »Aine Nacht-« »Was! Willst du den Gimpel spielen? ... Sie hat Louchard auf den Fersen; ich habe ihr selbst fünfzigtausend Franken geliehen ...« »Finfundßwanßig! Sag?« rief der Bankier. »Bei Gott! Fünfundzwanzig für fünfzig, das versteht sich von selbst,« erwiderte Asien. »Diese Frau, man muß gerecht sein, ist die Ehrlichkeit selbst! Sie hatte nur noch ihren Leib, und sie sagte: ›Liebe kleine Frau Saint-Estève, ich werde verfolgt, nur Sie können mich verpflichten, geben Sie mir zwanzigtausend Franken, ich gebe Ihnen eine Hypothek auf mein Herz ...‹ Oh, sie hat ein hübsches Herz! Außer mir weiß niemand, wo sie ist. Ein unvorsichtiges Wort würde mich meine zwanzigtausend Franken kosten ... Früher wohnte sie in der Rue Taitbout. Ehe sie auszog – ihr Mobiliar war gepfändet worden ... von wegen der Kosten ... Diese Lumpen von Gerichtsvollziehern! – nun also, nicht dumm, vermietete sie ihre Wohnung auf zwei Monate einer Engländerin, einem prachtvollen Weib, die diesen kleinen ... den Rubempré, zum Liebhaber hatte; der war so eifersüchtig, daß er sie nur nachts ausfahren ließ. Aber da man das Mobiliar verkaufen will, so hat sich die Engländerin aus dem Staube gemacht, um so mehr, als sie für einen Knirps wie Lucien zu teuer war.« »Sie treiben kute Keschäfte,« sagte Nucingen. »In Naturalien,« sagte Asien. »Ich borge hübschen Frauen; das lohnt sich, denn man diskontiert zwei Werte zugleich.«

  • Impressum
    Von der Liebe der Dirnen
    Was alte Herren sich die Liebe kosten lassen
    Der Weg des Bösen
    Lucien von Rubempré
    Vautrins letzte Verkörperung